Schreibwerkstatt

ABC Etüden 44.17

 Pinguin Gerd hockte auf seiner Eisscholle in der Arktis, und träumte vom Wellenreiten. Ach, wie herrlich wäre es auf der höchsten Welle davon zutreiben. Mit einem Mal gab es einen Hyperknall, und Gerd befand sich in der Wüste wieder. Meterhohe Wanderdünen türmten sich vor ihm auf, ihm wurde mulmig zu mute. Hier surfen? Und heiß es war. Der Schweiß lief ihm aus allen Poren, Pinguin Gerd fürchtete dass er sich auflöste. Sehnsüchtig wollte er zurück auf seine Scholle, dort fühlte er sich pudelwohl. An diesem Ort konnte er sich seinen Illusionen hingeben. Und wer weiß, vielleicht wird er eines Tages Weltmeister sein.

 

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/10/29/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-44-17-wortspende-von-geschichtszauberei/

 

 

(Das Foto entstand im Wuppertaler Zoo)

 

 

Kiyoko Nagase

 

Kiyoko Nagase wurde 1906 geboren und starb 1995 an ihrem 89. GeKiyoko Nagase.pngburtstag. Sie veröffentlichte ihren ersten Gedichtband 1930 im Alter von 24 Jahren, und ihren zwölften Gedichtband in dem Jahr, in dem sie starb. In ihrer 65jährigen Karriere als Dichterin war sie sehr produktiv, brachte vieles heraus was aus ihrem Herzen kam.

Sie ging in den gleichen Kindergarten wie Chuya Nakahara (1907-1930). Ihr Mentor am Anfang ihrer Karriere war Sohn Osuke Satoh (1890-1942).

Ihre Essays und Aphorismen zu lesen, zeigt eine Frau mit großer Intelligenz. Sie selbst wurde nie eine professionelle Schreiberin. Nagase war ihr ganzes Leben Frau und Mutter, eine nutzvolle Frau wie sie sich selbst in ihren Gedichten nannte. Sie unterstützte ihre Familie bei Landarbeiten. Die meisten ihrer Gedichte schrieb sie am Küchentisch in den frühen Morgenstunden, wenn ihr Ehemann und Kinder noch schliefen. Getragen durch ihre scharfe Intelligenz wurden ihre Gedichte sinnlich und komisch, gesprochen in einer weichen, dunklen Stimme von einer Frau weniger als Dichterin.

Es sind vielleicht diese besonderen Qualitäten dass viele zeitgenössische japanische Dichterinnen sie als ihre Großmutter betrachteten, und dass ihre Gedichte eine große Anziehungskraft in verschiedenen Generationen und sozialen Status hatten.

Kaiserin Michiko ist eine von ihnen! Tatsächlich liebt die Kaiserin die Gedichte von Kiyoko Nagase so sehr, dass sie einige ins Englische übersetzte.

Die Dichterin und die Kaiserin teilen eins gemeinsam: Ehefrau, Mutter und Frau.

Mit diesem kurzen Einblick möchte ich mich in nächster Zeit mich mit ihren Gedichten arbeiten, weil über Chika Sagawa wenig zu finden ist.

 

Warum ich ein Gedicht schreibe

Gerade weil das Wasser durch die Erde rinnt-

weil Wasser auf der Pflanzenoberfläche trocknet, und

weil die Erde durch den Ursprung des Wassers gezeichnet ist-

genau wie Gedichte durch mich strömen-

wenn das Wasser stehenbleibt, läuft es nicht weiter.

Wenn keine Kraft das Wasser abpumpt, kann das Wasser nicht zirkulieren.

Ich habe keine Pumpe die meinen Geist bearbeitet.

Meine Pumpe ist wie das Wasserschöpfen aus der Erde.

(übersetzt wortsonate)

 

 

 

Nichiyo Sonntagsgedanken 28.10.2017

Wasser wird heute ein Thema sein, angeregt durch den Artikel:

https://the-digital-reader.com/2017/10/23/infographic-literary-lakes/

Ich fand Beatrix Potter interessant. Bekannt war sie besonders für ihre Kinderbücher, vor allem dem Märchen von Peter Rabbit. Beatrix Potter wohnte in Hilltop, einem Dorf nahe Sawrey, nahe dem Estwaite Water. Neben dem Schreiben züchtete sie die regionalen Herdwick Schafe und hinterließ ihr Land dem National Trust, um damit das Bild der Region zu bewahren.

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/beatrix-potter/

Wasser hat eine beruhigende Wirkung auf mich, es schafft innere Ruhe, ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren.

 

Wasser ist der Strom,

der die Energie trägt,

wellengleich mit Höhen und Tiefen,

umkreist die Gedanken,

fließt hinweg,

ohne Wiederkehr.

(wortsonate)

 

Auch ist heute Tag des Flusses. Schon in der Antike waren Flüsse ein Symbol für das Werden und Vergehen und damit des menschlichen Lebens.

 

Nur ein Fluss allein

fließt die Dunkelheit dahin-

ach, die Glühwürmchen!

(Kaga no Chiyo (1709-1775)

 

 

Zum Abschluss eine Geschichte, von zwei Fröschen:

FroschZwei Frösche

Vor langer Zeit lebten in Japan zwei Frösche, einer von ihnen hatte sein zu Hause in einem Bach in der Nähe von Osaka, an der Seeküste, während der andere in einem kleinem Strom, der durch Kyoto rann, wohnte. Durch diese große Entfernung kannten sie nicht einander, aber komischerweise kam ihnen gleichzeitig dieselbe Idee, das sie ein bisschen von der Welt sehen wollten, und der Frosch der in Kyoto lebte, wollte Osaka besuchen, und der Frosch der in Osaka lebte wollte nach Kyoto, wo der große Mikado seinen Palast hatte.

An einem schönen Frühlingsmorgen brachen beide, auf der Straße die von Kyoto nach Osaka führte, der eine von dem einen Ende, und der andere vom anderen Ende. Die Reise strengte sie mehr an als sie erwartet hatten, denn sie wussten nichts darüber, und auf halben Wege zwischen den beiden Städten tauchte ein Berg auf, welchen sie erklettern mussten. Es dauerte eine lange Zeit und viele Sprünge bis sie den Gipfel erreichten, aber letztendlich kamen sie an, und waren überrascht einen anderen Frosch vor sich zu sehen.

Sie schauten sich für einen Moment an ohne etwas zu sagen, und dann fielen sie in ein Gespräch, warum sie sich gerade hier trafen, so weit von ihrem Zuhause. Es war wunderbar herauszufinden, das sie den gleichen Wunsch verspürten- ein wenig von ihrem Land kennenzulernen—und da es keinen Grund gab sich zu beeilen, streckten sich in der kühlen Luft und kamen überein sich beide gut zu erholen, bevor sie weiterzuziehen.

„Schade, dass wir nicht größer sind!“, sagte der Osaka Frosch, „dann könnten wir beiden unsere Städte von hier aussehen, und ich könnte erzählen ob sich die Reise lohnte!“

„Oh, das lässt sich herauszufinden“, entgegnete der Kyoto Frosch, „Wir könnten uns auf unsere Hinterbeine stellen, und einander festhalten, und so kann jeder auf die Stadt schauen, wohin er reisen will.“

Das erfreute den Osaka Frosch so sehr, das er auf einmal hochsprang und seine Vorderpfoten auf die Schulter seines Freundes legte, der ebenfalls aufgestanden war. Dort standen die beiden, streckten sich so hoch sie konnten, und hielten jeweils den anderen fest, sodass er nicht herunterfallen konnte. Der Kyoto Frosch wendete seine Nase nach Osaka, und der Osaka Frosch richtete seine Nase nach Kyoto; aber dummerweise vergaßen sie eine Sache als sie ihre große Augen in den Nacken legten, und das obwohl ihre Nasen ihnen die Richtung aufzeigte, wohin sie gehen wollten. Ihre Augen erblickten den Ort woher sie kamen.

„Ach, du liebe Zeit“, schrie der Osaka Frosch, „Kyoto sieht genauso wie Osaka. Das war die lange Reise nicht wert. Ich sollte nach Hause gehen.“

„Hätte ich jemals gewusst, das Osaka eine Kopie von Kyoto ist, hätte ich diese Reise niemals angetreten“, schrie der Frosch aus Kyoto, und als er sprach nahm er seine Hand von der Schulter seines Freundes, und beide fielen ins Gras. Sie verabschiedeten sich freundschaftlich voneinander, und brachen nach Hause auf, und bis zum Ende ihres Lebens glaubten sie das Osaka und Kyoto, welche kaum unterschiedlicher sein könnten, gleich wären wie zwei Erbsen.

( aus Folk Tales Japan)

 

 

 

 

 

 

 

Schreibwerkstatt

Laternenfest

Rote Laternen

leuchten am Himmel

Der Mond lächelt

so viele winzige neue Sterne

ziehen durch die Nacht

Sehr Belebt!

Bernsteinfarbene Augen

Warm und süß

In dieser speziellen Nacht

Was ist der schönste Wunsch?

Lasse die wahren Quellen zum echten Frühling

Komm, komm schnell

Komm, der wahre Frühling

Komm, das frühlingshafte Licht.

Cigeng Zhang

(übersetzt wortsonate)

Kurz eingefügt

„Laterne leuchte hell meinen Weg, am Sternenhimmel die Sterne strahlen, der Mond schimmert am Nachthimmel, so  ziehen wir um das Haus.“ /wortsonate/

 

 

Abends, wenn es dunkel wird

  1. Abends, wenn es dunkel wird, und die Fledermaus schon schwirrt, ziehn wir mit Laterne aus in den Garten hinterm Haus. Und im Auf- und Niederwallen lassen wir das Lied erschallen: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
  2. Plötzlich aus dem Wolkentor kommt der gute Mond hervor, wandelt seine Himmelsbahn, wie ein Hauptlaternenmann. Leuchtet bei dem Sterngefunkel, lieblich aus dem blauen Dunkel Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
  3. Ei, nun gehen wir nach Haus, blasen die Laternen aus, lassen Mond und Sternlein leuchten in der Nacht allein, bis die Sonne wird erwachen, alle Lampen auszumachen. Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.

 

Schreibwerkstatt

Zum heutigen Tag des Künstler meine ABC Etüden 43/17

 

Stoppelfelder leuchten golden in der Novembersonne

Du atmest tief ein

Sammelst auf dem Boden liegende Kastanien ein

Deine Gedanken wandern

über das Leben und die Liebe

Herbstfarbenbunter Blätterfall

Dämmerlicht bewegt dich zur Umkehr

Laternen zieren die Häuser

Ausgehöhlte Kürbisse grinsen dich an.

Du spürst das Loslassen von Dingen, die dich einengen.  

(wortsonate)

 

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