Sommer, Zeit zum Lesen, sich mit Freunden treffen, neue Dinge auszuprobieren. In diesem Sinne möchte ich das ein oder andere Kuriose aus Japan veröffentlichen, mal heiter, mal seltsam.

Beginnen möchte ich mit einem Bericht über handgemachte Papierkleidung. Nachdem ich einen Artikel über Schuhe aus Algen gelesen hatte, dachte ich so bei mir, damit läge der User voll im Trend der ökologischen Kleidung.Papierkleidung 1

Eine kleine Gemeinschaft in der Miyagi Prefecture bemüht sich seit Jahren eine Tradition fortzusetzen: handgemachte Papierkleidung.

Eine ältere Version ist leider verlorengegangen. Durch die Industrialisierung geriet das Wissen und Können immer weiter in den Hintergrund, wurde teilweise sogar vergessen. Nur im Hinterland tickten die Uhren anders.

Fumiko Sato wurde in der Fukustima Prefecture 1939 geboren. Sie verstand schon früh, dass sie arm waren, durch die Kleidung ihrer Mutter. Es war nicht das Material aus dem die Kleidung bestand, sondern die Schnitte die sie zierten.

Bäuerliche Familien trugen meist nur Streifen, für sie war es nicht angemessen, Kleidung mit Blumen oder geometrischen Motiven zu tragen. Aber die Traditionen veränderten sich.

Sato trägt noch heute die Kleidung, und zeigt zwei Shirts: eins mit Rosen bedeckt, das andere mit geometrischen Mustern. Sie kniet im dunklen Tatami-Room auf ihrem schmalen einstöckigen Haus in Shiroishi, Miyagi Perfecture. Sie erzählt wie das traditionelle Handwerk kamiko (Kleidung aus Büttenpapier) vergessen wurde.

Getragen wurde sie seit dem 10th. Jahrhundert, wurde aber dann in der Edo Periode vergöttert. In erster Linie wurde sie von Bauern, Mönchen und den Oberschichten getragen, aus dem Papier wurden u.a auch Feuerwehruniformen gemacht. Weich wie Baumwolle aber weniger teurer, kann Papier langlebig sein. Beschichtet wird es mit einem Dattel Gerbstoff und verschiedenen Ölen damit das Papier wasserfest wird.

Blütenpapier spielte nicht nur eine bedeutende Rolle in historischer Kleidung, sondern es definierte auch die japanische Identität.

Das Blütenpapier hatte viele Bedeutungen. Im 2. Weltkrieg endete er formell auf einem Shiroishi Washi Papier.

Papierkleidung 2Längst vergangen. 2016 beendete der letzte Papiermacher seine langjährige Tradition. Und doch dann gab es Idealisten die daran festhielten.

Shiroishi ist eine kleine ruhige Stadt mit dem perfekten Klima für das Papier. Mit dem Rückgang der lokalen Papierindustrie zelebriert sich Stadt selber als die Heimat von umen (warme Nudeln), eine regionale Auswahl von Weizennudel die ohne Öl gekocht werden. Ebenso zelebriert sich die Stadt als die Verbindung zum Videospiel und Anime franchise Sengoku Basara, welches 2005 startete.

Papier heute zutragen wirkt seltsam. Trotzdem werden Textilien aus den Blättern von Washi gemacht oder aus Papiergarn gewebt. Ursprünglich wurden sie gemacht um sie im Feld zu tragen, während in der Edo Periode in den Großstädten damit die Romantik des alten Japans heraufbeschworen wurde.

In den frühen 1980s besuchte der Fashion Designer Issey Miyake Sato. Seine Kollektion 1982 war einer der letzten Momente der Shiroishi Papiermacher Tadao Endo und Sato`s Ehemann Chataro.

Endo ging 1997 weg, aber er und seine kürzlich verstorbene Frau Mashiko, sind Legenden in der japanischen Papiergemeinschaft. Sie produzierten u.a. Papier für ein beliebtes buddhistisches Ritual genannt Omizutori (Wasserschöpfzeremonie), das seit 1.200 Jahren jährlich stattfindet.

Die Wände des Tourismusbüros sind mit allen möglichen Bildern behängt, aber über das Papier wissen die Mitarbeiter wenig. Sie empfehlen einen Besuch bei Keiji Abe, der ein Spirituosengeschäft besitzt und ein kleines Feld kozo, der Hauptstoff von Shiroishi Washi, aufrechterhält. Nebenbei stellt er Papier in winzigen Mengen her.

In der Garage neben dem Geschäft betreibt er die einzige Washi-Werkstatt- ein Ort ohne Webseite, ohne Namen und weitestgehend unbekannt in der japanischen Papierindustrie.

Warum? Weil er die Tradition am Leben erhalten möchte, so wie bei uns alte Handwerkstraditionen aussterben oder nur wenige sie erhalten können, wie der des Messerschleifers.

(Quelle: http://www.japantimes.co.jp/life/2017/07/15/lifestyle/growing-paper-clothes-rural-japan/#.WWoxamf_qUk)

 

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