ODFD747

Eingetopft in der Enge

Dunkelheit umschließt meine Welt

Finsternis wandelnd in die Seele

Hinab in Wirrnisse und Ängste

Schreiend fallen

Worte

Leere

Nichts umhüllt mich

Außer der tropfende Topf

Klebrig und heiß

Bilder entstehen vor meinem inneren Auge

Das Zerwürfnis-der Hass- die Wut-die Zerstörung

Befreien möchte ich mich

Von dem Ding auf meinem Kopf

Herabreißen die Enge, die Freiheit spüren

Alles hinterlassen und Vergessen

Ein Gefühl des Vernichtens ergreift mich,

würgt die Kehle zu.

Wo ist der der mich rettet aus dem Eingetopftsein?

(wortsonate 15.06.2017)

 

 

Diese Zeilen entstanden aus dem obigen Bild.

Selbstporträts waren im Werk der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig immer ein wichtiges Genre. Vor allem in den 1990er Jahren sind viele ihrer Selbstbildnisse entstanden- manche darunter verstörend, andere wieder voller Humor, in noch anderen haben dann auch häufig Tiere Eingang gefunden.

Auf zahlreichen dieser Bilder fehlen die Augen beziehungsweise sind sie verdeckt oder ersetzt worden durch irgendeinen Gegenstand. Im vorliegenden Bild ist es ein Küchenutensil.

Wir sehen eine Frau mit einem Kochtopf auf dem Kopf. Eine Art Brei sickert ihr über Augen und Nase. Der Mund hat sie geöffnet, einige schief stehende Zähne werden sichtbar, Wangen und Hals sind eingefallen. Beschönigt wird hier nichts, das war noch nie Lassings Stil. Ob die Frau nur tief Luft holt oder ein gequälter Laut gerade den Rachenraum verlässt, man weiß es nicht. Die Akkuratesse, mit der sich der Wulst langsam über ihr Gesicht schiebt, erweckt den Eindruck, sie trage eine Augenbinde.

Lassnig hat als eine der ersten Malerinnen begonnen, die weibliche Rolle nicht nur in die Kunstwelt unter die Lupe zu nehmen. Diese Figur ist blind für die Dinge um sie herum, weil ich von außen etwas übergestülpt wurde. Keine Hand streckt sich aus, den Topf herunterzureißen. Wie ein tragischer Clown, steht sie vor der Welt. Gemalt hat Lassnig dieses Selbstporträt nach eigener Aussage, als sie kreuzunglücklich war über den Verriss eines männlichen Kritikers. Mit der letzten Träne habe sie den letzten Pinselstrich gesetzt.

(Quelle: HörZu)

 

http://www.zeit.de/kultur/kunst/2014-05/maria-lassnig-nachruf

http://www.artnet.de/künstler/maria-lassnig/

https://www.youtube.com/watch?v=ucgovs7VPmk

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Schreibwerkstatt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s