Oft wurde auch die Geschlechterfrage diskutiert, viele männliche Autoren sahen das Schreiben als Brotberuf, während die Frauen mehr häuslich orientiert waren.Erst im Laufe der Jahre entwickelte sich das Genre Frauenliteratur, woraus sich 2006 die „Women`s Literature Vereinigung“.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf drei Dichterinnen konzentrieren: Yosano Akiko, Sagawa Chika, Ito Hiromi. In ihren Gedichten verarbeiteten sie Themen wie Weiblichkeit und brachen mit ihrer konventionellen Rolle.

Yosano Akiko (1878-1942) repräsentierte die `neue Frau` um die Jahrhundertwende in Japan. Ihre erste Sammlung der Tanka poetry Tangled Hair 1901 verursachte eine Aufregung unter ihren Zeitgenossen wegen seiner Neuheit in Themen und Stil, charakterisiert von einem direkten Ausdruck von Leidenschaft in einer hemmungslosen, sinnlichen Sprache.

 

Manchmal bestrafen sich Männer für ihre Sünden

Die glatte Haut

Das lange schwarze Haar

Das alles

Bin ich !

 

Sagawa Chika (1911-1936) , weniger bekannt bei Literaturhistoriker, beschwor eine einzigartige Welt durch die Augen einer körperlich gebrechlichen Frau, die sich von der äußerlichen Welt bedroht fühlte. Ebenso arbeitete sie mit dem `esprit-nouveau`Modernisten der 1920s. Ihre Arbeiten zeigten eine Sensibilität die sich deutlich von den anderen Dichterinnen abgrenzte. Ihre Arbeiten wurden erst nach ihrem Tod veröffentlicht.

 

Frühling

Flachsblumen duften zartschmelzend

Die lila Kringel vom Rauchen sind ein Ärgernis,

Sie füllen damit den Grund des Grüns

Du, die Königin des Mais,

wirst bald kommen.

 

Ito Hiromo (1955-) ist eine zeitgenössische Dichterin deren Debüt die Leser schockierte, weil sie eine herausfordernde lockere Art benutzte um den Ausdruck von Sexualität herüberzubringen.

 

Sodass es keine Prüfung ist

Ich bereitete Shiratama zu

Und brachte sie meinem Mann

Ich erhitzte de Zucker und formte Sirup

Und legte die gekochten Knödel hinein

Und schreckte sie ab

Und deckte sie zu

Alle Shiratama setzten sich auf den Boden ab

Die Oberfläche des Shiratama ging auseinander

Sie drehten sich

Die Form verzerrt

Ich nahm sie mit einem Löffel heraus

Hey!

Schau!

Nimm sie heraus!

Sodass sie nicht zerbrechen

Ich liebe Shiratama, das sind die besten

Sagte mein Mann und nahm sie in den Mund

Er schloss die Augen und zeigte mir damit wie gut sie waren

Ich liebe sie mehr als dich

Ich sah meinen Mann an

Schluckend die Shiratama

Und den Sirup aufschlecken

 

Yosano Akiko schrieb Tanka und freie Verse, aber in ihren Tankas sehen wir viel deutlicher wie sich als neue Frau sieht, ihre Sexualität und ihr Körper: „ Sie ist zwanzig! Im Hochgefühl ihres Frühlings / Mit ihrem schwarzen Haar/ über den Kamm fallend/ Wie wunderschön.“

Einschließlich Tangled Hair ist das eine von Yosano`s bestbekannteste Arbeit. Die junge Frau in ihrer Blüte, bewundert ihr glänzendes Haar kann als Eindruck von Yosano selbst gelten. Traditionell wird das weibliche Haar in der japanischen Tanka Gedichten als sexueller Zusammenhang gesehen werden. Einer der charakteristischen Merkmale von Yosano`s Gedichten ist die Aufmerksamkeit mit dem sie ihren eigenen Körper betrachtet, bewundernd und wertschätzend.

Die Veröffentlichung von Tangled Hair war wegweisend in seiner direkten Ausdrucksweisen von Leidenschaft und Verlangen, geäußert von einer selbstbejahenden Frau welche den eigenen Körper mit Stolz und Vertrauen als wunderschönes Objekt präsentiert. Yosano öffnet damit einen Weg für andere erfolgreiche Dichterinnen, ihren Körper als Thema zu verwenden, und bestätigt damit weibliche Identität.

Okamato Kanoko (1889-1939) ist einer dieser Poetinnen. Auch Makajo Fumko (1922-1945) gehörte dazu. Sie beschäftigte sich mit Themen wie den Entbehrungen des weiblichen Körpers. Erkrankt an Krebs, hat sie ihre Brüste operativ entfernt lassen. Sie stirbt im Alter von neununddreißig Jahren, einen Monat nach ihrer Veröffentlichung ihrer Tanka Sammlung.

Das zeigt wie weibliche Tankas einen anderen Weg einschlagen, als die herkömmlichen. Über Jahrzehnte wurden den Frauen darin die passive Rolle zugewiesen.

Zwar haben Yosano Akiko und andere „neu“ Tanka Poeten zu einem selbstbewussten Erwachen beitragen, aber es bleibt eine Anzahl von weiblichen Dichterinnen übrig, die freie Verse schrieben. Es gab einige Dichterinnen aus der bürgerlichen Schicht die Groll hegten und dagegen arbeiteten. Da gab es also Poetinnen wie Takamure Itsue und Fukao Sumako,die sich einer offenen Sprache über das Dilemma der Frauen ausdrückten. Andere schrieben von Frauen mit ihren einzigartigen Fähigkeiten zwischen ihrem Haushalt und der Sorge um die Familie zu agieren. Sagawa ist in diesem Fall eine Minderheit, weil ihr Leben vom Tod bestimmt war.

In ihren Gedichten ist der Körper abwesend, eher beschreibt sie ihn als kränkelnden Körper, wie in „Grünen Flammen“

 

Als erstes sah ich

Jene die sich lebensvoll an mich näherten

Scharenweise die grüne Treppe herabstiegen

Vorbeigehen auf der anderen Seite

Zusammengedrängt auf kleinsten Raum

Auf halbem Weg formen sie langsam einen Berg

Vorwärtsbewegend kontinuierlich wie ein heller Strahl der Weizenfelder

(…)

Alles dreht sich, verfärbt sich von grün zu dunklen grün

Sie sind in der Milchflasche auf den Esstisch

Ihre Gesichter zerquetscht, ihre Körper vorn übergebeugt, spiegelnd den Boden wieder

(…)

Ich schloss schnell die Fenster

Die Gefahr kam auf mich zu

Da ist ein Feuer draußen

Die grünen Flammen, wunderschön brennend, verbreiten sich in der Luft, umkreisen die Erde

Dann endlich, geraten sie über dem Horizont in Vergessenheit

 

Mein Gewicht verlässt mich

Und bringt mich zurück in das Loch der Vergessenheit

(…)

Wer verbindet mir von hinten die Augen?

Bringt mich zum Schlafen- (Sagawa, 1983)

 

Mit `Grünen Flammen` ist der Frühling gemeint, das Wachsen und Sprießen. Das Gedicht beginnt dynamisch mit dem herabrollen von dem Hügel, über die Felder und kommt zum Dichter, der aus dem Fenster schaut und die überbordende Energie spürt.

Das Gedicht steht für das Leben, welcher der Poet, sorgsam umgehen muss. Es dringt durch das Wasser, und der Poet, ist unfähig zu sehen, dass es sich in der Milchflasche wiederspiegelt, schließt schnell das Fenster um sich selber zu schützen-vergeblich, obwohl physikalisch spürt das sie ihr Gewicht verliert.

Das spiegelt sich in anderen Gedichten von ihr wieder, das diese Energie eine Bedrohung für Sagawa war, die von Kindheit an kränklich war.

In dem Text besteht eine Spannung zwischen dem Körper des Poeten und der Außenwelt. Der Dichter sieht die Welt draußen als feindlich und aggressiv. Der Raum als Gefäß zu betrachten, als eigene Existenz von sich selbst, war eine Idee von sich ihr. Normalerweise wird im Tanka der Eindruck der Natur verarbeitet um den psychologischen Zustand des Poeten zu beschrieben. Die vertraute Ansicht von Natur füllt den literarischen Platz des Tanka stellt die mentale Verfassung des Poeten dar. Die Entdeckung des Selbst, und zusammen mit  der Entdeckung der Natur, ist eine moderne Interpretation.  Die Vorstellung dass die Naturlandschaft im Gegensatz zum Ich steht, spiegelt sich nicht nur bei Sagawa wieder, doch hat sie sie besonders in den Versen betont. Die Personifikation der Natur ist mehr üblich in der europäischen Dichtung, seltener in der japanischen Tradition.

 Ito Hiromi entscheidet sich keine Diskussion um ihren Körper in ihren post-1945 zu bringen. Sie spielte eine wichtige in der Befreiung der Frau vor allem in sozialen, kulturellen, psychologischen, literarischen und stilistischen Einschränkungen. Mit dem Erwachen des Feminismus beginnt eine neue Ära der Dichterinnen. Wegbereiter waren u.a Tomioka Tasko und Ito Hiromi, wie im folgenden Gedicht:

 

Papa und Mama

Und die Hebamme, auch

Kein Tipp oder Ankündigung oder wer auch immer

Es wurde gewettet dass es ein Junge wäre

Durchbrach dringend die Plazenta

Als Mädchen

 

Dann

Jeder war enttäuscht

Entschied ich würde ein Junge werden

Dann

Jeder pries mich an

Dann wurde ich ein Mädchen

Dann

Jeder deutete etwas

So wurde ich ein Junge

 

Erwachsenwerden

Weil mein Liebhaber ein Junge war

Wurde ich widerwillig ein Mädchen

( Tomioka , 1968)

 

Das ist der Anfang ein 74 Zeilen Gedichtes mit dem Titel „ Die Geschichte meines Lebens“, einschließlich der Gedichtesammlung die 1958 veröffentlichte. Wir können darin den Bruch erkennen, was es bedeutet ein Mädchen oder Junge zu sein. Welche Bedeutung das für die eigene Identifikation hat und welche Erwartungen von der Familie , Liebhaber und Gesellschaft gesetzt werden. Das ist eine verbale Attacke auf das aufheben, relativieren, und letztlich kippt die dominante Sicht der Grenzen der Geschlechter. Ähnlich sind die Gedichte von Shiraishi, die das Publikum mit ihrem „Penisgedicht“ schockte.

Ito Hiromi begann ihr sensationelles Debüt Ende der 1970s und wurde eine unerschrockene kühne Figur der neuen weiblichen Dichtung der 80s.In einer schlichten, umgangssprachlichen und freimütigen Sprache, spielte Ito die Rolle einer Frau, die über Liebe und Sex schreibt, Abtreibung und Schwangerschaft, Mutterschaft und Tod. Sie präsentiert ihren physiologischen Selbststripp all ihrer Mythen. Ihre Gedichte basieren auf ihren Erfahrungen als Frau, Ehefrau, Geliebte und Mutter.

Als die 80er Jahre noch im vollen Gange waren, fand wieder ein Paradigmenwechsel statt. Eine weitere Generation von Dichterinnen stand bereit, die es noch zu entdecken gilt.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Weitere Informationen

https://www2.uni-hamburg.de/oag//noag/noag1996_6.pdf

 

 

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