Ihr Lieben,

mir gefiel die Idee von „irgendetwas ist immer“ eine Ballade zu veröffentlichen.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/17/aufruf-balladenmontag-der-zauberlehrling/

 

Ich habe mir Annette Droste von Hülshoff herausgesucht. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und Komponistin. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen.

In meinem Blog möchte ich mich neben den japanischen Autorinnen, wieder mehr der weiblichen Autorenschaft widmen. Es ist ein Gefühl, das in den vergangenen Monaten wuchs, wieder in die Richtung zu arbeiten.

Ein Plan ist sich jeden Monat mit einer Künstlerin zu beschäftigen. Ob das gelingt weiß ich noch nicht, weil der berufliche Neuanfang ist genauso definiert und braucht Zeit.

Japanische Literatur bleibt mein Favorit, daneben gab es diesen Wunsch, daran zu schreiben. Meine eigenen Texte werden in Richtung Kürze gehen, auch das hat so sich entwickelt.

Also hier meine Ballade:

Mein Beruf

„Was meinem Kreise mich enttrieb,

Der Kammer friedlichem Gelasse?“

Das fragt ihr mich als sey, ein Dieb,

Ich eingebrochen am Parnasse.

So hört denn, hört, weil ihr gefragt:

Bei der Geburt bin ich geladen,

Mein Recht soweit der Himmel tagt,

Und meine Macht von Gottes Gnaden.

 

Jetzt wo hervor der todte Schein

Sich drängt am modervollen Stumpfe,

Wo sich der schönste Blumenrain Wiegt über dem erstorbnen Sumpfe,

Der Geist, ein blutlos Meteor,

Entflammt und lischt im Moorgeschwehle,

Jetzt ruft die Stunde: „tritt hervor, Mann oder Weib, lebend’ge Seele!

 

Tritt zu dem Träumer, den am Rand

Entschläfert der Datura Odem,

Der, langsam gleitend von der Wand,

Noch zucket gen den Zauberbrodem.

Und wo ein Mund zu lächeln weiß Im Traum, ein Auge noch zu weinen,

Da schmettre laut, da flüstre leis, Trompetenstoß und West in Hainen!

 

Tritt näher, wo die Sinnenlust

Als Liebe gibt ihr wüstes Ringen,

Und durch der eignen Mutter Brust Den Pfeil zum Ziele möchte bringen,

Wo selbst die Schande flattert auf,

Ein lustiges Panier zum Siege,

Da rüttle hart: „wach auf, wach auf,

Unsel’ger, denk an deine Wiege!“

 
Denk an das Aug‘, das überwacht

Noch eine Freude dir bereitet,

Denk an die Hand, die manche Nacht

Dein Schmerzenslager dir gebreitet,

Des Herzens denk, das einzig wund

Und einzig selig deinetwegen,

Und dann knie nieder auf den Grund

Und fleh‘ um deiner Mutter Segen!

 
Und wo sich träumen wie in Haft

Zwei einst so glüh ersehnte Wesen,

Als hab‘ ein Priesterwort die Kraft,

Der Banne seligsten zu lösen,

Da flüstre leise: „wacht, o wacht!

Schaut in das Auge euch, das trübe,

Wo dämmernd sich Erinnrung facht,

Und dann: wach auf, o heil’ge Liebe!“

 
Und wo im Schlafe zitternd noch

Vom Opiat die Pulse klopfen,

Das Auge dürr, und gäbe doch Sein Sonnenlicht um einen Tropfen, –

O, rüttle sanft! „Verarmter, senk‘

Die Blicke in des Aethers Schöne,

Kos‘ einem blonden Kind und denk‘

An der Begeistrung erste Thräne.“

 
So rief die Zeit, so ward mein Amt

Von Gottes Gnaden mir gegeben,

So mein Beruf mir angestammt,

Im frischen Muth, im warmen Leben;

Ich frage nicht ob ihr mich nennt,

Nicht fröhnen mag ich kurzem Ruhme,

Doch wißt: wo die Sahara brennt,

Im Wüstensand, steht eine Blume,

 
Farblos und Duftes baar, nichts weiß Sie, als den frommen Thau zu hüten,

Und dem Verschmachtenden ihn leis

In ihrem Kelche anzubieten.

Vorüber schlüpft die Schlange scheu

Und Pfeile ihre Blicke regnen,

Vorüber rauscht der stolze Leu,

Allein der Pilger wird sie segnen.

 

Gelasse] Gelaß: bequemer Raum.

Parnasse] Parnass: Berg des Apoll und der Musen; das Reich der Dichtung.

Blumenrain] Rain: Grasstreifen.

Moorgeschwehle] schwelen: langsam flammenlos brennen, glimmen.

Datura] Zierpflanze, mit großen weißen Trichterblüten aus der Gattung der Nachtschattengewächse, stark duftend mit narkotischer Wirkung.

Zauberbrodem] Brodem: Qualm, Dampf, Dunst. Panier] Banner, Fahne, Wahlspruch.

Leu] Löwe.

 

Ein paar Links:

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Biographie/

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/annette-von-droste-huelshoff-die-dichterin-und-der-junge-lover_id_4461974.html

http://www.focus.de/wissen/mensch/annette-von-droste-huelshoff-die-20-mark-frau-deutsche-mark-1_id_3528764.html

https://www.youtube.com/watch?v=pKnjhF1WEdE

 

 

 

Ein Buchvorstellung wird folgen, und ein Text zu weiblicher Poesie.

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Balladenmontag

  1. Oh! Da ist mir was entgangen. Ich kannte von ihr bisher nur den „Knaben im Moor“ und die „Judenbuche“, aus welchen Gründen auch immer habe ich nicht weitergelesen. Danke dir fürs Erinnern!
    Schön, dass du dabei bist!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

  2. Danke furs Folgen. Ich habe Annette von Droste-Hülshoff auf der Uni studiert und war in ihrem Museum am Bodensee. Die Scherenschnitte waren ausgezeichnet.. Auch kleine Musikstücke haben mir gefallen. Das was aber einen sehr schoenen Besuch heute. ^__^

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