Nichiyo Sonntagsgedanken 30.04.2017

Nichiyo Sonntagsgedanken 30.04.2017

Der Schreibstift fegt über das Papier, die Ideen senden Rauchzeichen, so viele interessante Mitmachschreibanreize von Euch, da komme ich kaum hinterher.

Der April geht mit neuer Energie, mit neuem Berufsziel, und vielen Bewerbungen zu Ende. Für mein Fachthema habe ich die ersten Punkte festgesetzt, am 06.05.2017 werde ich die fairgood trade in Essen besuchen. Wichtig ist mir ein Projekt oder Startup zu finden, an dem ich mitarbeiten kann.

In der Schreibwerkstatt werde ich mich mit Anne Franke, Hilde Domin und anderen beschäftigen. Geplant ist ein monatliches Thema, je nachdem ob mir etwas Gescheites einfällt.

Und der Japantag in Düsseldorf steht an.

Überhaupt ist Japan in Feierlaune mit der

Golden Week

 Herausnehmen möchte ich den Tag des Grüns

 ist ein japanischer Feiertag, der zwischen 1989 und 2006 am 29. April gefeiert wurde und der seit 2007 am 02. Mai gefeiert wird.

Der 29. April ist der Geburtstag des ShÕwa- Kaisers Hirohito. Zu Lebzeiten des Kaisers war dieser Tag in Japan ein Nationalfeiertag. In seinem Todesjahr 1989 wurde der Tag in „Tag des Grüns“ umbenannt und als Nationalfeiertag beibehalten. Der neue Name des Feiertages sollte an die Naturverbundenheit des ShÕwa -Kaisers erinnern, seit 2007 heißt der 29. April in Gedenken an die ShÕwa-Zeit

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/golden-week-die-massentauglichkeit-des-japaners/2955148.html

http://www.japan-talk.com/jt/new/japan-in-may

 

Wenn wir schon beim Feiern sind, dann können wir 2019 einen zweihundertjährigen feiern:

Theodor Fontane

Wurde am 30.12.Dezember 1819 in Neuruppin geboren. Er war ein deutscher Dichter, Schriftsteller sowie Apotheker. Er als gilt als einer der wichtigsten Vertreter des literarischen Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane wie Effie Briest sowie Irrungen, Wirrungen. Sein Erzählstil zeichnet sich durch einen auktorialen aus, wobei das Gesamtwerk Fontanes zumeist von gesellschaftskritischen Elementen aus.

Ich möchte ein paar Links und Infos einfügen, vielleicht hat der ein oder andere wieder Lust ihn zu lesen

https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fontane

http://www.fontaneseite.de/index.html

 

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch

In grünem Knospenschuh;

„Er kam, er kam ja immer noch“,

Die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,

Nun treiben sie Schuss auf Schuss;

Im Garten der alte Apfelbaum,

Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz

Und atmet noch nicht frei,

Es bangt und sorgt: „Es ist erst März

Und März ist noch nicht Mai.“

O schüttle ab den schweren Traum

Und die lange Winterruh:

Es wagt es der alte Apfelbaum,

Herze, wag’s auch du.

 

http://www.mwfk.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.447970.de

https://www.berlin.de/special/reise/brandenburg/news/4789603-767566-zwei-millionen-euro-zum-200-geburtstag-t.html

 

Es kann die Ehre dieser Welt

Es kann die Ehre dieser Welt

Dir keine Ehre geben,

Was dich in Wahrheit hebt und hält,

Muß in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht

An echten Stolzes Stütze,

Ob dann die Welt dir Beifall spricht,

Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages

Ruhm Magst du dem Eitlen gönnen;

Das aber sei dein Heiligtum:

Vor dir bestehen können.

Theodor Fontane Aus der Sammlung Sprüche

 


 

Ausgang

Immer enger, leise, leise

ziehen sich die Lebenskreise,

schwindet hin, was prahlt und prunkt,

schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,

uns ist nichts in Sicht geblieben als der letzte dunkle Punkt.

 

 

So muß man leben!

Die kleinen Freuden aufpicken,

bis das große Glück kommt.

Und wenn es nicht kommt,

dann hat man wenigstens

die „kleinen Glücke“ gehabt.

 

 

Summa Summarum!

Theodor Fontane

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden

(Fast wär ich auch mal Hofrat geworden),

Ein bißchen Namen, ein bißchen Ehre,

eine Tochter „geprüft“, ein Sohn im Heere,

Mit siebzig ’ne Jubiläumsfeier, Artikel im Brockhaus und im Meyer…

Altpreußischer Durchschnitt, Summa Summarum,

Es drehte sich immer um Lirum Larum Um Lirum Larum Löffelstiel.

Alles in allem – es war nicht viel.

 

Freuen wir uns auf den Mai. Und genießen die Sonnenstrahlen des Lebens.

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Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt

ABCetueden 17.17

 

Safranstaubkussspuren

Wirbeln auflösend

zwischen zweier Liebender

zärtliche Annährung

 

Knospenkollisionkurs

Entfaltet die Anmut die Liebe

Fangen die Pollen des Safrans

Und führt die Herzen zueinander

 

Irisreinkarnationslied

Befreit die innere Gefühlsenge

Blüht im gelben Gewand

Öffnet der Seelen weit

Für das ewige Bündnis.

 

 

(wortsonate 2017

Bild Überarbeitet mit Bildprogramm)

 

Blogparade Lovesong Day

Blogparade Lovesong Day

Das Fließen des Wassers

und die Wege der Liebe

haben sich seit den Zeiten  der Götter

nicht verändert.

 

 

Seit ich im Schlaf
den Mann gesehen, den ich
von Herzen liebe,
Seit dieser Zeit erst liebe ich
der Träume bunter Falter
Ono no Komachi

 

 

      Einsam stand ich am Berge,
Gequält von der Sehnsucht der Liebe,
Und im Sinnen zerpflückt‘ ich
Die roten Blätter der Bäume.
(S. 23)

 

Aus dem Manyoshu

 

 

 

Ich liebe dich Ich liebe dcih

Zwei Menschen verwoben

ineinander

in den Fäden der Liebe

( Wortsonate 2017)

Nichiyo Sonntagsgedanken 23.04.2017

Nichiyo Sonntagsgedanken 23.04.2017

Auch wenn heute Tag des Buches ist, möchte ich etwas Anderes einbringen.

 Vor einer Woche feierten wir Ostern. Ich möchte einen kleinen Nachschlag geben, weil mich die Rede des Diakons weiterhin beschäftigt.

Beginnen möchte ich mit folgendem Gedicht, um meine Gedanken niederzuschreiben:

Ostern, neue Hoffnung für die Welt Ein Licht, dass die alte Welt erhellt. Hoffnung und Gewissheit werden uns geschenkt. Neues Leben, der Blick auf Jesus gelenkt. Dunkel war lange die Nacht, bis der Auferstandene Hoffnung gebracht. Das Grab ist nicht mehr Endstation, der Tod nicht mehr, ich spreche ihm Hohn. Gott ist das Leben, ohne ihn nur Nacht, Jesus aber hat das Licht gebracht. Wäre er nicht aus dem Grab gekommen Der Tod hätte uns dann mitgenommen. Christen dürfen Hoffen, ja Glauben, denn niemand kann das Leben uns rauben. Bezeug deine Hoffnung in der Welt, nichtig ist die dunkle Unterwelt. Wo man trauert und weint, da ist der Glaube vereint. Ostern ist Hoffnung und Leben, Jesus hat uns dies gegeben zum Segen. Wolfgang Müller

 

Die Frage die Diakons war: Passt das heute überhaupt zu unserer Zeit? Haben wir überhaupt damit etwas zu tun? Ja, wir haben. Die Osterkerze ist die Hoffnung, dass die Menschen sich wieder besinnen, dass wieder mehr zu einander finden, dass in einigen Ländern der Krieg beendet wird.

Die Osterkerze soll uns zum Innehalten bewegen, soll unseren schnelllebigen Rhythmus unterbrechen, soll uns zum Atem holen animieren. In einem Branchennews las ich das die die jugendliche Smartphone Nutzer immer häufiger über Messaging Dienste kommunizieren, klassisches Telefonieren spielt hingegen kaum mehr eine Rolle. Bedeutet das auch, das wir immer weniger miteinander reden, oder das wir uns vom Smartphone leiten lassen. Werden wir unfähiger unser Leben selbst zu gestalten?

Die Osterkerze soll den Menschen die Hoffnung bringen, dass die Verantwortlichen sich zusammensetzen, den Krieg in Syrien zu beenden.

Sowie in den anderen Ländern. Wieviel Leid und Traurigkeit muss noch geschehen, damit das Ganze beendet wird?

Die Osterkerze soll auch den Menschen die Hoffnung bringen, die an Hunger leiden, die den Klimawandel deutlich spüren. Ganze Gebiete trocknen aus, weil es seit Jahren nicht mehr geregnet. Ein selbsterfülltes Leben ist gar nicht möglich, die Menschen werden abhängig gemacht von den Hilfslieferungen.

Die Osterkerze soll den Menschen Hoffnung bringen, die das Gefühl haben ihr Leben sei schwer, die krank und mutlos sind. Ich wünsche Ihnen dass ihnen jemand ein Lächeln schenkt und Kraft schenkt.

Vielleicht habe ich es etwas vergessen, es gibt so vieles auf der Welt, die einen Hoffnungsgedanken gebrauchen könnten. Das waren die, die mich im Moment am meisten beschäftigen.

 

Gedankensprung / Ich möchte ein Mitmachprojekt vorstellen, dessen Newsletter ich regelmäßig bekomme, weil der Frieden und das Miteinander mir nach wie vor wichtig sind:

http://wikipeacewomen.org/wpworg/de/?page_id=163

Das Ziel dieser Webseite ist bis 2020 eine Million Geschichten zu sammeln. Von Frauen die sie in allen Bereichen menschlicher Sicherheit zu engagieren: Konfliktlösung, ökologische Sicherheit, Umweltgerechtigkeit, Gesundheit, Bildung und Gesetzgebung und andere.

Um die Geschichten von einer Million Friedensfrauen zu sammeln, aufzuschreiben, zu übersetzen und die Frauen zu vernetzen, wird es notwendig sein, ehemalige und neue Koordinatorinnen von verschiedenen Regionen auf der Welt zu engagieren.

Eine Frau, die für mein Fachthema interessant wäre, ist

 Helene Norberg-Hodge

Sie ist die Gründerin und Direktorin der International Society for Ecology und Culture (ISEC), einer Non-Profit-Organisation, die sich mit dem Schutz biologischer und kultureller Vielfalt befasst. Die ISEC führt auf vier Kontinenten Programme durch, die der Stärkung der ökologischen Vielfalt und Gemeinschaft dienen, speziell um Bereich regionale Ernährung und Landwirtschaft.

http://schoolingtheworld.org/people/helena/

https://www.bing.com/videos/search?q=Helean+Norberg+Hodge&view=detail&mid=955F0EC84AE8DD9132EC955F0EC84AE8DD9132EC&FORM=VIRE

https://www.youtube.com/watch?v=z1SMdfhedQ

 

Quellen: http://www.internetworld.de/mobile/mobile-devices/smartphone-generation-maulfaul-1216836.html

 

GedankenAbschluss:

Diese Woche habe ich wieder dieses bewegende Lied gehört:

 

Hiroshima

Nur ein Schatten blieb von ihm in Hiroshima

Als das Feuer schwieg

Doch den keiner kennt in Hiroshima

Wurde der Stein der schrie

Und er schrie „Erinnert Euch gut

Sonst holt euch die Glut wie hier.“

 

Fliege, mein Lied, nach Hiroshima

Flieg zum Schattenstein

Und versprich dem Mann in Hiroshima

Das wird nie mehr sein,

Denn die Welt erinnert sich gut

Sonst holt sich die Glut wie Hiroshima

Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt

Irgendetwas ist immer  schrieb abc.etueden 16/17 aus, mit gespitzter Feder kommt hier mein Beitrag:

 

Die Wellnessdusche weckten Frühlingsgefühle in ihr, die in Traurigkeit versanken. All die Tränen rannen in den Abfluss, wie die gemeinsame Zeit, alles verschwamm mit dem Wasser. Peng. Erschreckt riss sie den Duschvorhang beiseite und schnappte sich das Frotteehandtuch. „Du?“ Ihre Augen erstarrten. „Aber, Aber.. Wir haben doch erst vor einer Stunde ein Leichenschmaus für dich abgehalten. In Memoriam.“ Ein dröhnendes Lachen ließ sie zusammenfahren

 

(abc.etueden auf: https://365tageasatzaday.wordpress.com/category/texte-skizzen-schreibprojekte/abc-etueden-3-woerter-10-saetze/)

Foto: Museum Waschhaus Siedlung Weegerhof

Das Weiblich in der modernen Poesie

Das Weiblich in der modernen Poesie

Oft wurde auch die Geschlechterfrage diskutiert, viele männliche Autoren sahen das Schreiben als Brotberuf, während die Frauen mehr häuslich orientiert waren.Erst im Laufe der Jahre entwickelte sich das Genre Frauenliteratur, woraus sich 2006 die „Women`s Literature Vereinigung“.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf drei Dichterinnen konzentrieren: Yosano Akiko, Sagawa Chika, Ito Hiromi. In ihren Gedichten verarbeiteten sie Themen wie Weiblichkeit und brachen mit ihrer konventionellen Rolle.

Yosano Akiko (1878-1942) repräsentierte die `neue Frau` um die Jahrhundertwende in Japan. Ihre erste Sammlung der Tanka poetry Tangled Hair 1901 verursachte eine Aufregung unter ihren Zeitgenossen wegen seiner Neuheit in Themen und Stil, charakterisiert von einem direkten Ausdruck von Leidenschaft in einer hemmungslosen, sinnlichen Sprache.

 

Manchmal bestrafen sich Männer für ihre Sünden

Die glatte Haut

Das lange schwarze Haar

Das alles

Bin ich !

 

Sagawa Chika (1911-1936) , weniger bekannt bei Literaturhistoriker, beschwor eine einzigartige Welt durch die Augen einer körperlich gebrechlichen Frau, die sich von der äußerlichen Welt bedroht fühlte. Ebenso arbeitete sie mit dem `esprit-nouveau`Modernisten der 1920s. Ihre Arbeiten zeigten eine Sensibilität die sich deutlich von den anderen Dichterinnen abgrenzte. Ihre Arbeiten wurden erst nach ihrem Tod veröffentlicht.

 

Frühling

Flachsblumen duften zartschmelzend

Die lila Kringel vom Rauchen sind ein Ärgernis,

Sie füllen damit den Grund des Grüns

Du, die Königin des Mais,

wirst bald kommen.

 

Ito Hiromo (1955-) ist eine zeitgenössische Dichterin deren Debüt die Leser schockierte, weil sie eine herausfordernde lockere Art benutzte um den Ausdruck von Sexualität herüberzubringen.

 

Sodass es keine Prüfung ist

Ich bereitete Shiratama zu

Und brachte sie meinem Mann

Ich erhitzte de Zucker und formte Sirup

Und legte die gekochten Knödel hinein

Und schreckte sie ab

Und deckte sie zu

Alle Shiratama setzten sich auf den Boden ab

Die Oberfläche des Shiratama ging auseinander

Sie drehten sich

Die Form verzerrt

Ich nahm sie mit einem Löffel heraus

Hey!

Schau!

Nimm sie heraus!

Sodass sie nicht zerbrechen

Ich liebe Shiratama, das sind die besten

Sagte mein Mann und nahm sie in den Mund

Er schloss die Augen und zeigte mir damit wie gut sie waren

Ich liebe sie mehr als dich

Ich sah meinen Mann an

Schluckend die Shiratama

Und den Sirup aufschlecken

 

Yosano Akiko schrieb Tanka und freie Verse, aber in ihren Tankas sehen wir viel deutlicher wie sich als neue Frau sieht, ihre Sexualität und ihr Körper: „ Sie ist zwanzig! Im Hochgefühl ihres Frühlings / Mit ihrem schwarzen Haar/ über den Kamm fallend/ Wie wunderschön.“

Einschließlich Tangled Hair ist das eine von Yosano`s bestbekannteste Arbeit. Die junge Frau in ihrer Blüte, bewundert ihr glänzendes Haar kann als Eindruck von Yosano selbst gelten. Traditionell wird das weibliche Haar in der japanischen Tanka Gedichten als sexueller Zusammenhang gesehen werden. Einer der charakteristischen Merkmale von Yosano`s Gedichten ist die Aufmerksamkeit mit dem sie ihren eigenen Körper betrachtet, bewundernd und wertschätzend.

Die Veröffentlichung von Tangled Hair war wegweisend in seiner direkten Ausdrucksweisen von Leidenschaft und Verlangen, geäußert von einer selbstbejahenden Frau welche den eigenen Körper mit Stolz und Vertrauen als wunderschönes Objekt präsentiert. Yosano öffnet damit einen Weg für andere erfolgreiche Dichterinnen, ihren Körper als Thema zu verwenden, und bestätigt damit weibliche Identität.

Okamato Kanoko (1889-1939) ist einer dieser Poetinnen. Auch Makajo Fumko (1922-1945) gehörte dazu. Sie beschäftigte sich mit Themen wie den Entbehrungen des weiblichen Körpers. Erkrankt an Krebs, hat sie ihre Brüste operativ entfernt lassen. Sie stirbt im Alter von neununddreißig Jahren, einen Monat nach ihrer Veröffentlichung ihrer Tanka Sammlung.

Das zeigt wie weibliche Tankas einen anderen Weg einschlagen, als die herkömmlichen. Über Jahrzehnte wurden den Frauen darin die passive Rolle zugewiesen.

Zwar haben Yosano Akiko und andere „neu“ Tanka Poeten zu einem selbstbewussten Erwachen beitragen, aber es bleibt eine Anzahl von weiblichen Dichterinnen übrig, die freie Verse schrieben. Es gab einige Dichterinnen aus der bürgerlichen Schicht die Groll hegten und dagegen arbeiteten. Da gab es also Poetinnen wie Takamure Itsue und Fukao Sumako,die sich einer offenen Sprache über das Dilemma der Frauen ausdrückten. Andere schrieben von Frauen mit ihren einzigartigen Fähigkeiten zwischen ihrem Haushalt und der Sorge um die Familie zu agieren. Sagawa ist in diesem Fall eine Minderheit, weil ihr Leben vom Tod bestimmt war.

In ihren Gedichten ist der Körper abwesend, eher beschreibt sie ihn als kränkelnden Körper, wie in „Grünen Flammen“

 

Als erstes sah ich

Jene die sich lebensvoll an mich näherten

Scharenweise die grüne Treppe herabstiegen

Vorbeigehen auf der anderen Seite

Zusammengedrängt auf kleinsten Raum

Auf halbem Weg formen sie langsam einen Berg

Vorwärtsbewegend kontinuierlich wie ein heller Strahl der Weizenfelder

(…)

Alles dreht sich, verfärbt sich von grün zu dunklen grün

Sie sind in der Milchflasche auf den Esstisch

Ihre Gesichter zerquetscht, ihre Körper vorn übergebeugt, spiegelnd den Boden wieder

(…)

Ich schloss schnell die Fenster

Die Gefahr kam auf mich zu

Da ist ein Feuer draußen

Die grünen Flammen, wunderschön brennend, verbreiten sich in der Luft, umkreisen die Erde

Dann endlich, geraten sie über dem Horizont in Vergessenheit

 

Mein Gewicht verlässt mich

Und bringt mich zurück in das Loch der Vergessenheit

(…)

Wer verbindet mir von hinten die Augen?

Bringt mich zum Schlafen- (Sagawa, 1983)

 

Mit `Grünen Flammen` ist der Frühling gemeint, das Wachsen und Sprießen. Das Gedicht beginnt dynamisch mit dem herabrollen von dem Hügel, über die Felder und kommt zum Dichter, der aus dem Fenster schaut und die überbordende Energie spürt.

Das Gedicht steht für das Leben, welcher der Poet, sorgsam umgehen muss. Es dringt durch das Wasser, und der Poet, ist unfähig zu sehen, dass es sich in der Milchflasche wiederspiegelt, schließt schnell das Fenster um sich selber zu schützen-vergeblich, obwohl physikalisch spürt das sie ihr Gewicht verliert.

Das spiegelt sich in anderen Gedichten von ihr wieder, das diese Energie eine Bedrohung für Sagawa war, die von Kindheit an kränklich war.

In dem Text besteht eine Spannung zwischen dem Körper des Poeten und der Außenwelt. Der Dichter sieht die Welt draußen als feindlich und aggressiv. Der Raum als Gefäß zu betrachten, als eigene Existenz von sich selbst, war eine Idee von sich ihr. Normalerweise wird im Tanka der Eindruck der Natur verarbeitet um den psychologischen Zustand des Poeten zu beschrieben. Die vertraute Ansicht von Natur füllt den literarischen Platz des Tanka stellt die mentale Verfassung des Poeten dar. Die Entdeckung des Selbst, und zusammen mit  der Entdeckung der Natur, ist eine moderne Interpretation.  Die Vorstellung dass die Naturlandschaft im Gegensatz zum Ich steht, spiegelt sich nicht nur bei Sagawa wieder, doch hat sie sie besonders in den Versen betont. Die Personifikation der Natur ist mehr üblich in der europäischen Dichtung, seltener in der japanischen Tradition.

 Ito Hiromi entscheidet sich keine Diskussion um ihren Körper in ihren post-1945 zu bringen. Sie spielte eine wichtige in der Befreiung der Frau vor allem in sozialen, kulturellen, psychologischen, literarischen und stilistischen Einschränkungen. Mit dem Erwachen des Feminismus beginnt eine neue Ära der Dichterinnen. Wegbereiter waren u.a Tomioka Tasko und Ito Hiromi, wie im folgenden Gedicht:

 

Papa und Mama

Und die Hebamme, auch

Kein Tipp oder Ankündigung oder wer auch immer

Es wurde gewettet dass es ein Junge wäre

Durchbrach dringend die Plazenta

Als Mädchen

 

Dann

Jeder war enttäuscht

Entschied ich würde ein Junge werden

Dann

Jeder pries mich an

Dann wurde ich ein Mädchen

Dann

Jeder deutete etwas

So wurde ich ein Junge

 

Erwachsenwerden

Weil mein Liebhaber ein Junge war

Wurde ich widerwillig ein Mädchen

( Tomioka , 1968)

 

Das ist der Anfang ein 74 Zeilen Gedichtes mit dem Titel „ Die Geschichte meines Lebens“, einschließlich der Gedichtesammlung die 1958 veröffentlichte. Wir können darin den Bruch erkennen, was es bedeutet ein Mädchen oder Junge zu sein. Welche Bedeutung das für die eigene Identifikation hat und welche Erwartungen von der Familie , Liebhaber und Gesellschaft gesetzt werden. Das ist eine verbale Attacke auf das aufheben, relativieren, und letztlich kippt die dominante Sicht der Grenzen der Geschlechter. Ähnlich sind die Gedichte von Shiraishi, die das Publikum mit ihrem „Penisgedicht“ schockte.

Ito Hiromi begann ihr sensationelles Debüt Ende der 1970s und wurde eine unerschrockene kühne Figur der neuen weiblichen Dichtung der 80s.In einer schlichten, umgangssprachlichen und freimütigen Sprache, spielte Ito die Rolle einer Frau, die über Liebe und Sex schreibt, Abtreibung und Schwangerschaft, Mutterschaft und Tod. Sie präsentiert ihren physiologischen Selbststripp all ihrer Mythen. Ihre Gedichte basieren auf ihren Erfahrungen als Frau, Ehefrau, Geliebte und Mutter.

Als die 80er Jahre noch im vollen Gange waren, fand wieder ein Paradigmenwechsel statt. Eine weitere Generation von Dichterinnen stand bereit, die es noch zu entdecken gilt.

 

(Fortsetzung folgt)

 

Weitere Informationen

https://www2.uni-hamburg.de/oag//noag/noag1996_6.pdf

 

 

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Balladenmontag

Balladenmontag

Ihr Lieben,

mir gefiel die Idee von „irgendetwas ist immer“ eine Ballade zu veröffentlichen.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/04/17/aufruf-balladenmontag-der-zauberlehrling/

 

Ich habe mir Annette Droste von Hülshoff herausgesucht. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und Komponistin. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen.

In meinem Blog möchte ich mich neben den japanischen Autorinnen, wieder mehr der weiblichen Autorenschaft widmen. Es ist ein Gefühl, das in den vergangenen Monaten wuchs, wieder in die Richtung zu arbeiten.

Ein Plan ist sich jeden Monat mit einer Künstlerin zu beschäftigen. Ob das gelingt weiß ich noch nicht, weil der berufliche Neuanfang ist genauso definiert und braucht Zeit.

Japanische Literatur bleibt mein Favorit, daneben gab es diesen Wunsch, daran zu schreiben. Meine eigenen Texte werden in Richtung Kürze gehen, auch das hat so sich entwickelt.

Also hier meine Ballade:

Mein Beruf

„Was meinem Kreise mich enttrieb,

Der Kammer friedlichem Gelasse?“

Das fragt ihr mich als sey, ein Dieb,

Ich eingebrochen am Parnasse.

So hört denn, hört, weil ihr gefragt:

Bei der Geburt bin ich geladen,

Mein Recht soweit der Himmel tagt,

Und meine Macht von Gottes Gnaden.

 

Jetzt wo hervor der todte Schein

Sich drängt am modervollen Stumpfe,

Wo sich der schönste Blumenrain Wiegt über dem erstorbnen Sumpfe,

Der Geist, ein blutlos Meteor,

Entflammt und lischt im Moorgeschwehle,

Jetzt ruft die Stunde: „tritt hervor, Mann oder Weib, lebend’ge Seele!

 

Tritt zu dem Träumer, den am Rand

Entschläfert der Datura Odem,

Der, langsam gleitend von der Wand,

Noch zucket gen den Zauberbrodem.

Und wo ein Mund zu lächeln weiß Im Traum, ein Auge noch zu weinen,

Da schmettre laut, da flüstre leis, Trompetenstoß und West in Hainen!

 

Tritt näher, wo die Sinnenlust

Als Liebe gibt ihr wüstes Ringen,

Und durch der eignen Mutter Brust Den Pfeil zum Ziele möchte bringen,

Wo selbst die Schande flattert auf,

Ein lustiges Panier zum Siege,

Da rüttle hart: „wach auf, wach auf,

Unsel’ger, denk an deine Wiege!“

 
Denk an das Aug‘, das überwacht

Noch eine Freude dir bereitet,

Denk an die Hand, die manche Nacht

Dein Schmerzenslager dir gebreitet,

Des Herzens denk, das einzig wund

Und einzig selig deinetwegen,

Und dann knie nieder auf den Grund

Und fleh‘ um deiner Mutter Segen!

 
Und wo sich träumen wie in Haft

Zwei einst so glüh ersehnte Wesen,

Als hab‘ ein Priesterwort die Kraft,

Der Banne seligsten zu lösen,

Da flüstre leise: „wacht, o wacht!

Schaut in das Auge euch, das trübe,

Wo dämmernd sich Erinnrung facht,

Und dann: wach auf, o heil’ge Liebe!“

 
Und wo im Schlafe zitternd noch

Vom Opiat die Pulse klopfen,

Das Auge dürr, und gäbe doch Sein Sonnenlicht um einen Tropfen, –

O, rüttle sanft! „Verarmter, senk‘

Die Blicke in des Aethers Schöne,

Kos‘ einem blonden Kind und denk‘

An der Begeistrung erste Thräne.“

 
So rief die Zeit, so ward mein Amt

Von Gottes Gnaden mir gegeben,

So mein Beruf mir angestammt,

Im frischen Muth, im warmen Leben;

Ich frage nicht ob ihr mich nennt,

Nicht fröhnen mag ich kurzem Ruhme,

Doch wißt: wo die Sahara brennt,

Im Wüstensand, steht eine Blume,

 
Farblos und Duftes baar, nichts weiß Sie, als den frommen Thau zu hüten,

Und dem Verschmachtenden ihn leis

In ihrem Kelche anzubieten.

Vorüber schlüpft die Schlange scheu

Und Pfeile ihre Blicke regnen,

Vorüber rauscht der stolze Leu,

Allein der Pilger wird sie segnen.

 

Gelasse] Gelaß: bequemer Raum.

Parnasse] Parnass: Berg des Apoll und der Musen; das Reich der Dichtung.

Blumenrain] Rain: Grasstreifen.

Moorgeschwehle] schwelen: langsam flammenlos brennen, glimmen.

Datura] Zierpflanze, mit großen weißen Trichterblüten aus der Gattung der Nachtschattengewächse, stark duftend mit narkotischer Wirkung.

Zauberbrodem] Brodem: Qualm, Dampf, Dunst. Panier] Banner, Fahne, Wahlspruch.

Leu] Löwe.

 

Ein paar Links:

http://www.lwl.org/LWL/Kultur/Droste/Biographie/

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/annette-von-droste-huelshoff-die-dichterin-und-der-junge-lover_id_4461974.html

http://www.focus.de/wissen/mensch/annette-von-droste-huelshoff-die-20-mark-frau-deutsche-mark-1_id_3528764.html

https://www.youtube.com/watch?v=pKnjhF1WEdE

 

 

 

Ein Buchvorstellung wird folgen, und ein Text zu weiblicher Poesie.