Ruhrköpfe gab mir mit ihrem Artikel den Anstoß etwas zur Trauer niederzuschreiben. Bisher habe ich diese Erfahrung nicht in Worte gefasst. Aber ich finde den Gedanken, den Silke heute in ihrem Blog veröffentlichte, und viele liebe Menschen unterstützt haben, doch wert hier niederzuschreiben.

 

Eine gute Bekannte erkrankte an Knochenkrebs.

„Sie haben noch drei Jahre.“

Das war die erste Diagnose, daraus wurden sechs Jahre.

Geschieden, Sozialhilfeempfänger, kein Geld- wir haben für sie gekämpft das sie wenigstens eine Sozialwohnung mit Badezimmer bekam.

Jeder Tag war eine Mühsal. Schmerzen, Morphium, Müdigkeit.

Aber eins ließ sie sich nicht nehmen: Ihre Lebensfreude.

Wir gestalteten ihre Tage mit Musizieren, Vorlesen oder einfach nur Dasein.

Als sie ins Krankenhaus kam und in einen Dämmerzustand fiel, war ihr letzter Wunsch eine fröhliche Beerdigung.

Das ist uns dann gelungen, indem wir zusammengelegt haben.

Was als Erinnerung geblieben ist: Die Freude über jeden Tag, die Fröhlichkeit, die nehme ich heute noch mit.

http://in-lauter-trauer.de/alle-reden-ueber-trauer-2017

 

 

Aus den Tagebuchaufzeichnungen von Chika Sagawa als sie im Krankenhaus lag

Ein Gefühl des Krankseins, monotone Tage an die ich mich nicht erinnere, wie sie vergangen sind. Im Bett liegend, in den Himmel starrend, wartend auf die Dinge die kommen und Dinge die ineinanderflossen, das mochte ich nicht. Eine der Wolken könnte Mussolinis Gesicht sein, das war lustig. Es scheint dass die Röntgenstrahlen mich ein bisschen ermüden. Mein Bruder kommt wenn die Lichter ausgemacht worden sind, sitzt am Bettrand, und wir reden leise damit die anderen schlafen können. Ich erzähle ihm dass ich Gurken vermisse, und frage nach Büchern. Heute las ich eine Sammlung von Hyakken. Ich entscheide dass mich die Schmerzen nicht unterkriegen. Ich trainiere meinen Willen, sodass die Medikamente nicht so stark wirken.

 

 

Ich kam, ich weiß nicht woher.

Ich bin, ich weiß nicht wer.

Ich leb, ich weiß nicht wie lang.

Ich sterb und weiß nicht wann.

Ich fahr, ich weiß nicht wohin,

Mich wunderts, dass ich fröhlich bin.

Martin von Biberach

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2 Gedanken zu “Die Lebensfreude ist nicht erloschen

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