Buchrezension

Heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, das ich wegen seiner Kurzgeschichten mochte, bis auf eine.

In den sieben Geschichten bringt Haruki Murakami seine Stärke der Beobachtungsgabe ein. Alle Handlungen drehen sich um Männer, die auf irgendeine Weise alleine sind. Mit seinem trockenen Humor sollte der Leser die Erzählungen nicht immer ernst nehmen.

Ob es eine Anlehnung an Ernest Hemingway Kurzgeschichtensammlung „Men without Women ist nicht eindeutig zu beweisen. Es erschien 1927 gerade als Huraki Murakami seine Schriftstellerkarriere begann.

Fünf der Kurzgeschichten wurden schon vorher publiziert, wie im The NewYorker.

Folgen wir den Spuren der einzelnen Geschichten.

Drive my car

„Kafuku war schon mit vielen Frauen im Auto gefahren. Er unterteilte sie  grundsätzlich  in zwei Typen. Die einen fuhren ihm zu waghalsig, die anderen  zu vorsichtig….“

So beginnt eine Erzählung die nach einem Beatles Song benannt ist.

Schauspieler Kafuku braucht dringend einen Chauffeur. Als ihm seine Werkstatt eine junge Frau vorschlägt, ist Kafuku zunächst misstrauisch. Doch es zeigt das sie eine ausgezeichnete Fahrerin. Sie schaltete geschmeidig und ohne dass es je einen Ruck gab. Nur an ihrer Wortkargheit änderte sich nichts. Solange er sie nicht fragte, machte sie den Mund nicht auf, was Kafaku nicht im Geringsten störte. So bleibt es immer, ein Gespräch findet kaum statt.

Diese Geschichte hat mir am besten gefallen, sie hat das Potenzial das sich daraus mehr machen lässt. Zunächst scheint es das sich um das Autofahren dreht, doch im Laufe der Handlung erfahren wir viel aus dem Leben Kafaku. Der Erzählort bleibt das Auto, wo der Kafaku auch über sein Leben nachdenkt.

Die Figur der jungen Frau gefiel mir gut. Sie wird nicht als die Hübsche bezeichnet, sondern eher schroff.

In dieser Geschichte zeigt sich wie genau Haruki Marakmai Figuren beschrieben kann, das zieht sich durch das ganze Buch.

Das Ende ist offen, die Geheimnisse gelöst und ja, ich hätte gerne gewusst, wie sich die das Ganze weiterentwickelt.

Der persönliche Verlust sehe ich darin, das Kafaku seine Frau verloren hat.

Alle Geschichten sind bildhaft und wortreich in kurzen Sätzen. Das macht gerade diese Geschichte lesenswert.

 

Der zweiten Geschichte konnte ich noch folgen:

Yesterday

Auch in dieser Geschichte kehrt Haruki Murakami zu den Beatles zurück. Die Geschichte handelt von zwei Freunden, die grundverschieden sind. Der Erzähler Tanimura studiert Literatur, während Kitaru eine Prüfung nach der anderen wiederholt. Tanimura fragt sich, warum er es geschafft den Kansai Dialekt perfekt zu lernen, aber nicht für die Prüfungen. Warum seine Pläne nicht vorangehen.

Die Erzählung wird in der Ich-Form erzählt. In erster Linie dreht sich alles um den Song Yesterday, aber auch um Lebenspläne. Eine zweite Erzähllinie sind die Dialekte, der Ich-Erzähler hat seinen Dialekt abgelegt  hat, dagegen hat Kitaru einen extra angelegt.

Haruki Murakami dreht die zwei Figuren um, der eine der vom Land kommt, wird moderner Stadtmensch, der andere will zurück ins Landleben.

Am Ende macht die Geschichte einen Zeitsprung, wir erfahren was aus ihrem Leben geworden ist. Offen ist nur was aus Kitaru geworden.

Mit gefiel die Geschichte, weil sie auch zeigt, wie zwei anscheinend verschiedene Typen Freunde sind. Die ganze Erzählung lebt von den Gegensätzen.

 

Schwieriger wird die Geschichte

Das eigenständige Organ

Sie handelt von dem erfolgreichen Schönheitschirurgen Tokai, der ein zufriedenes Leben mit wechselnden Geliebten führt. Dann begegnet er der Liebe als einer absoluten Macht und geht zugrunde.

Ich war zunächst irritiert das das Organ als Ich-Erzähler auftritt, und etwas hochgestochen erzählt.

„Doch wenn Sie die Güte hätten, etwas zurückzutreten (Ich bitte sie, sich vorher zu vergewissern, dass sich hinter Ihnen kein Abgrund befindet), um mein Porträt aus gebührender Distanz zu betrachten, werden Sie wahrscheinlich verstehen, dass die Authentizität einzelner Details nicht ausschlaggebend ist.“

 

Der Leser weiß also gar nicht, ob das was er über Tokai und sein Leben erfährt wirklich wahr ist. Es beruht auf Mutmaßungen und Annahmen.

Die Geschichte finde ich zum Ende hin traurig, wie dieser Mensch verendet. Das er mit seinem Geld die wahre Liebe nicht kaufen konnte. Und im Grunde genommen war er die ganze Zeit ein einsamer Mensch, der zum Schluss keinen mehr hatte.

Hier finde ich ist der Verlust eindeutig zu erkennen: die eine große Liebe.

 

Die nächste Geschichte ist etwas eigenwillig.

 Scheherazade

Auch diese Geschichte wurde vorher im New Yorker veröffentlicht.

Sie handelt von einem Mann, der aus nicht genannte Gründen, das Haus verlassen kann. Eine Namenlose hilft ihm, jedoch wissen wir nicht von wem. Sie bringt ihm regelmäßig essen und Vorräte. Ebenso hat sie Sex mit ihm und erzählt ihm danach Geschichten, wie einst Scheherazade.

Die Hauptgeschichte wird aus einer Sicht erzählt. Scheherazade hat drei Leben:

In einem früheren Leben war sie ein Neunauge. In ihrem zweiten Leben ein rebellischer Teenager, der vor Verliebtheit in ein Haus einbricht, im dritten Leben ein Geschichtenerzähler.

Am Ende fragt sich Habara was er wohl fühlen würde, wenn sie nicht mehr käme.

Die Geschichte hat kein Ende. Viele Geschichten enden so wie in 1001 und einer Nacht, und sind meist der Anfang von der nächsten Geschichte.

Die Erzählung spielt auf eine gesellschaftliche Stellung an. Es sind meist höher gestellte Männer, die eine Sehnsucht nach Selbstbeherrschung haben.

Habara Isolation ist vollständig, er fühlt sich wie auf einer einsamen Insel.

Doch diese Möglichkeit beunruhigte Habara überhaupt nicht. Das sind Umstände, mit denen ich aus eigener Kraft fertigwerden muss, sagte er sich. Schwierige Umstände, aber ich werde es schon irgendwie schaffen. Es ist ja eigentlich nicht so, dass ich tatsächlich  allein  auf einer einsamen Insel wäre. Ich bin selbst eine einsame Insel.

Ich finde die Geschichte ist in sich geschlossen. Es geht nicht sehr um das Warum er so lebt, sondern worin der persönliche Verlust besteht. Ich denke es ist die Isolation, das Verlieren der sozialen Kontakte.

Neben dem beobachtenden Erzähler, findet sich auch der Ich-Erzähler.

 

Ich empfehle die Geschichte, weil sich viele Spekulationen in der Handlung befinden.

 

Sehr gefallen hat mir nächste Erzählung

Kino

Ein zentrales Thema wie erwähnt ist der persönliche Verlust, so auch hier. Hauptsächlich dreht sich alles um die Hauptfigur namens Kino, der Gefühle nicht zu zeigen.

Kino hat gerade seine Bar eröffnet, nachdem er seine Ehefrau beim Fremdgehen erwischt hat. Eines Tages kommt er früher von einer Geschäftsreise zurück, und findet seine Frau mit seinem Arbeitskollegen im Bett. Leise schließt er die Tür und verlässt das Haus für immer.

Schweigsam beobachtet er seine Gäste und scheut den Konflikt.

Zum Schluss wird die Geschichte etwas merkwürdig. Er sieht drei Schlangen unter dem Baum, was Unglück bedeuten könnte. Zudem rät ihm sein Stammgast erst einmal zu schließen und wegzufahren. Im Hotelzimmer erkennt Kino war sein Stammgast sagen wollte und ist tief berührt.

 

Dann folgt die nächste Geschichte, die für mich die merkwürdigste war:

Samsa in Love

Erzählt die Geschichte eines Mannes, der morgens aufwacht und entdeckt dass er umgewandelt wurde. Haruki Murakami spielt damit auf Franz Kafka Erzählung „Die Verwandlung an. Die Metamorphose scheint sich in seinem Kopf abzuspielen, aber ist es wirklich so geschehen.

Ursprünglich wacht Gregor Samsa als Käfer auf, hier wacht der Käfer als Mensch auf, der ihn Gregor Samsa nennt.

Samsa muss auf zwei Beine gehen, Kleidung tragen, sich mit der Frau vom Schlüsseldienst auseinandersetzen.

Die Geschichte kommt heraus während der Prager Frühling stattfindet, als ein aufblühen von freiem Ausdruck und Demokratie, bis zum Auftauchen der Panzer.

Im Ganzen hadere ich immer noch mit der Erzählung, ich denke ich sollte vorher Kafka lesen, um den Sinn zu verstehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt gefällt mir die Geschichte nicht.

 

Die letzte Geschichte heißt:

Von Männern die keine Frauen haben

Wie erwähnt soll es eine Anlehnung an Ernest Hemingways Kurzgeschichten Men without Women sein.

Der Inhalt lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Ein Mann ruft einen anderen Mann mitten in der Nacht an, um ihm mitzuteilen, das seine Frau Selbstmord begangen hat.

In seinen Jugendjahren schwärmte er für dieses Frau (Mädchen), mittlerweile war er verheiratet. Die Handlung geht zurück zu dieser Zeit, und wie er sie verlor.

Eines Tages werdet ihr plötzlich Männer sein, die keine Frauen haben. Dieser Tag kommt ganz unerwartet, ohne die leiseste Vorankündigung, ohne jeden Hinweis, ohne Vorgefühl, ohne Ahnung, ohne Klopfen und ohne Räuspern.“

 

Eine in sich geschlossene Geschichte, die mehr die Gedankengänge, des Ich-Erzählers betrachtet. Insgesamt gefiel sie mir.

 

Gesamtfazit.

Kurzgeschichten sind nicht für jeden etwas. Ich mag die Kürze, weil sich dann auch etwas weiterspinnen lässt.

Vieles in den Geschichten ist an Kafka angelehnt, weil Haruki Murakami großes Vorbild Kafka ist. Der surrealistische Schreibstil zeichnet sich durch die Handlungen, wie die letzte,aus.

Es mag vielleicht nicht der große Roman sein, aber ich finde gerade das banale und schlichte, dass er hier geschaffen hat, zieht es einen hinein. Auch wenn zwei Geschichten mir nicht so gut gefielen.

Insgesamt sind es Ausschnitte aus dem Leben einer Figur, Momentaufnahmen die dem Leser präsentiert werden. Nüchtern erzählt, nicht immer ausgereift, mal etwas phantastisch, und doch packend.

 

Der Autor:

Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, studierte Theaterwissenschaften und Drehbuchschreiben in Tokio und lebte über längere Zeit und den USA und in Europa. Murakami ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen.

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article133972630/Freier-Wille-Was-soll-das-sein.html

http://www.harukimurakami.com/

http://blog.lareviewofbooks.org/the-korea-blog/haruki-murakami-books-korean-ever-will-english/

 

Buchfakten:

Haruki Murakami „ Von Männern die keine Frauen haben“

Btb Verlag, ISBN 978-3-442-71425-4, übersetzt von Ursula Gräfe

254 Seiten, Taschenbuch, erschienen 2014

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