Lange habe ich nach einer Verbindung gesucht, warum Chika Sagawa die Arbeiten von Charles Reznikoff in ihre Arbeiten einflocht oder verwendete. Ich habe zwei Gemeinsamkeiten gefunden: der nüchterne Sprachstil der trotzdem viele Botschaften enthält und Haikus.

Charles Reznikoff war einer der schwer fassbaren Dichter Amerikas, der in seinem Leben keinen weiten Weg zurückgelegt hat. Zwischen Brooklyn, wo er 1894 geboren wurde, und Manhattan wo er 1976 starb.

Er wuchs in einer jüdischen Nachbarschaft auf, und war der Sohn der Immigranten Sarah Yetta Reznikoff und Nathan Reznikoff, die vor dem Russischen Zarenreich und den Pogromen geflohen sind. Sein hebräischer Name war Ezekiel, genannt nach seinem Großvater.

Daraus entstand sein erster Roman „By the Waters“. Teils Familiensaga, teils Bildungsroman teils, unerwiderte Liebe folgte der Roman einer jüdischen Familie die von Russland Elizavetgrad nach Brownswille Brookville um die 19. Jahrhundert auswandert. Der Roman in der ersten Hälfte ist seiner Mutter gewidmet.

 

Was suchst du in unserer Straße, mitten unter den Autos,

Pferd?

Wie geht es deinen Cousins, dem Zentaur und dem Einhorn?

 

Neben einem abgebrochenen Journalismus-Studium an der Universität Missouri, und der zweijährigen Assistenzzeit, die er beim Produzenten Albert Lewin in Hollywood absolvierte, hat er New York nie für längere Zeit verlassen.

New York- das war sein Leben, das er auf seinen täglichen Spaziergängen beobachtete.

Mit Georg Oppen und anderen gründete er den Objektivisten. Reznikoff Gedichte sind in einem klaren und nüchternen Stil geschrieben, die den Leser zwingt sich damit auseinanderzusetzen.

Objektivismus wird definiert als klar dargestellte Bilder, deren Bedeutung jedoch nicht festgelegt ist, sondern angedeutet durch die Details der Objekte und der Musik der Vers: Worte prägnant und einfach; ohne die Künstlichkeit regulärer Metren; die Themen hauptsächlich jüdisch, amerikanisch, urban.“

Zeitlebens nahm sich Reznikoff zurück in seiner Anwesenheit. Er strebte Klarheit in seinen Werken an, verwendete größte Sorgfalt auf Nuancen und der Aussprache selbst der kleinen Worte.

In den letzten Phasen seines Lebens waren ihm zwei Projekte wichtig: das fünfhundert umfassende Werk Testimony, das alle amerikanischen Gerichtsfälle der Jahrhunderts aufzeichnet, und die hundert Seiten über den Holocaust, entnommen von Nürnberg und den Eichmann Prozesse.

 

Die Uhr

Auf dem Bücherbrett tickt,

die Uhr auf dem Tisch tickt-

diese emsigen Insekten

zerfressen meine Welt.

 

 Sicherlich gibt es eine Menge mehr zu entdecken von Charles Reznikoff, doch ging es mir in erster Linie um die Verbindung zwischen den beiden.

Weitere Informationen:

https://www.poets.org/poetsorg/poet/charles-reznikoff

http://www.english.illinois.edu/maps/poets/m_r/reznikoff/bio.htm

http://writing.upenn.edu/pennsound/x/Reznikoff.php

 

Die Frage, die sich mir stellte war, welchen Zeitraum von Gedichten kannte Chika Sagawa? Wir müssen bedenken, dass sie früh verstarb. Ich denke in erster Linie passen die Gedichte Rhytm 1918 und Poem 1920. Allerdings hat sie ein Gedicht von ihm verwendet, aus `The Golden Jerusalem`. Leider konnte ich das Original nicht finden, deshalb habe ich andere Zeilen ausgewählt. Vermutlich war das Gedicht schon vor 1934 bekannt, Chika Sagawa veröffentlichte es 1931 als „Pforte aus Schnee“.

Die letzten drei Zeilen wurden von ihr überarbeitet. Ihre wunderbare Verdichtung seiner Zeilen formte eine Fläche zwischen dem Schreiben und dem übersetzten Gedicht, die die Naturverbundenheit der Autorin zeigt.

 

Pforte aus Schnee

Es sind veraltete Vorstellungen die sich um unser Haus angehäuft haben,

—Schon verblasst, wie Grabsteine.

Kalt im Sommer, warm im Winter.

Für einen Moment dachte ich die Blumen wären gewachsen

Aber es waren nur Flocken älter werdender Schnee

 

Und wie passen die Haikus darein?

Die amerikanische Haiku Bewegung begann 1854 mit einem Abkommen zwischen Amerika und der japanischen Regierung. Sie öffnete den Weg u.a für die Japanische Kunst, die zunächst als exotisch angesehen wurde, sich aber schnell verbreitete besonders in Frankreich.

1905 erschien eine Anthologie von Franzosen, die gerade in Japan waren und ihre ersten Haikus schrieben. 1910 erschien dann eine Anthologie mit japanischer Literatur, eine in Frankreich, eine in England, die beide Haikus enthielt.

Auch wenn Charles Reznikoff nicht ausdrücklich Haikus geschrieben hat, sondern sie als eine Beziehung zwischen Imagismus und Haikus sah, finden sich viele Ansätze:

 

Viele schöne Stunden wurden hier begraben,

damit sie wiederauferstehen als Blumen

auf Hüten

(aus Am Brunnen von Leben und Sehen)

 

Erlaube mir die Warnung

vor diesem Automobil, das anrauscht, dich zu umarmen

mit ausgebreiteten Kotflügel.

(aus Das goldene Jerusalem)

 

Diese kurzen Gedichte haben viel Ähnlichkeit mit Chika Sagawa und nicht alles ist erforscht. Ich werde noch einige Serien einfügen, die zeigen wie vielfältig ihre Arbeiten waren.

 

 

 

Wind

Monotone Wörter, gleich einem zerbrochenen Grammophon.

Das Gras öffnet seinen knallgrünen Mund und lacht hysterisch.

Und in dem Moment rascheln Röcke leise.

Die Straße trocknet weiß ab.

Und sie schleifen ihre müden Füße

Wo das Haar fließt, rot wie Wolfsbeeren.

(Chika Sagawa)

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