„Bücher lesen heißt wandern in ferne Welten aus den Stuben über die Sterne.“ (Jean Paul)

Als ich dieses Zitat las erinnerte mich das an den Fernlehrgang: In die Ferne lesen.

In diesem Kurs beschäftigten wir uns mit Literatur aus Afrika, Asien, Arabischer Raum und Lateinamerika.

Afrika habe ich sehr gerne gelesen und bearbeitet. Die Autoren schreiben mit viel Wärme und Freude. Besonders mochte ich das Buch von Fatou Diome  „Der Bauch des Ozeans“

http://de.qantara.de/inhalt/roman-aus-dem-senegal-fatou-diome-der-bauch-des-ozeans

Obwohl Fussball nicht mein Thema ist, haben mich von Anfang die ersten Zeilen fasziniert. Der große Traum des Bruders ein berühmter Fußballspieler zu werden, und wie die Protagonistin es schafft ihn davon abzuhalten, und in seiner Heimat etwas aufzubauen. Eine berührende Geschichte über Familienbande, Hoffnungen und Träume.

Dann kam Asien. Ich konnte direkt mit den Romanen etwas anfangen, hineinleben in die Geschichte von Hiromi Kawakami `Am Meer ist es wärmer ` Vielleicht lag es am Titel das im Kurs einige das Buch nicht mochten, oder nicht verstanden worum es ging. Wenn der Leser nach dem englischen Titel ` Manzuru` geht, dann wird die Geschichte viel klarer.

Und weil mich das weiterhin beschäftigt hat, entstand daraus dieser Blog. Neben den japanischen Autorinnen, stelle ich entdeckte Kurzgeschichten vor und meine Texte (Schreibwerk). Ich bin zwar erst ganz am Anfang und konnte bisher noch kein Blogjubiläum feiern, doch es macht Spaß am Blog zu arbeiten.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/hiromi-kawakami-am-meer-ist-es-waermer-spuk-des-verlusts-geist-der-heilung-literatur-11071455.html

Was nicht so einfach zu lesen war der arabische Raum, weil viele der Autoren hier nicht zu kaufen waren.

Ein Buch war besonders brutal und schockierend „Yalo“, Ich möchte gerne die Hausaufgabe hier einfügen, weil es eine gute Inhaltsangabe vom Buch gibt.

http://www.suhrkamp.de/buecher/yalo-elias_khoury_42224.html

         Gespalten oder ein Täter oder ein Opfer?

In die Ferne lesen bedeutet immer wieder von einem Buch überrascht zu werden. Ohne jegliche Erwartungen bin ich an den Roman `Yalo` herangegangen. Obwohl auf der Tagung, viele das Buch nicht lesen konnten oder wollten. Da war natürlich erst recht meine Neugierde geweckt. Dabei verwendet Elias Khoury eine faszinierende Erzähltechnik, die es zu entdecken gilt.

In dem Lektüreheft wurde vieles von dem aufgegriffen, was auch mein Eindruck war. Was sollte ich nun hinzufügen, da erst habe ich mit dem Recherchieren angefangen. Ich finde die Zeit fasst das Buch gut zusammen:

Literarisch orientiert sich Khoury dabei an Romanformen der Moderne, baut die Spannung auf, indem er seinen Erzähler immer wieder von neuem seine Geschichte mit immer neuen Details erzählen lässt. Erst ganz am Ende wird klar, was eigentlich passiert ist. An manchen Stellen verschwindet der Erzähler und scheint mit Yalo identisch zu werden. An anderen steht er klar abseits und betrachtet diesen Mann, der schreckliche Kindheitserlebnisse hat und dann selbst als Milizionär zum Täter im libanesischen Bürgerkrieg wird, von außen. (Quelle http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011- 06/elias-khoury)

Das Buchcover habe ich ausgewählt, weil es eine andere Interpretation darstellt. Was mich fesselte waren die verschiedenen Erzählsperspektiven. Yalo ist wie das Gerüst der Geschichte, immer wieder lesen wir verschiedenen Versionen seines Lebens. Ja, manchmal hatte ich gedacht, das ist die Wahrheit, und dann war sie es doch nicht. Seine Erinnerungen verschmelzen zu einer Biografie auf Blätter. Yalo, der im Laufe der Handlung zu Daniel wird, der die Geschichte für ihn übernimmt.

Erst am Schluss des Buches findet sich ein Satz, den ich für den Leitfaden der Handlung halten würde:

„….stranguliert bin ich auf die Welt gekommen, und der Blutfaden ist mein ein einziges Erbe.“

Elias Khoury setzt eine Erzähltechnik um, die von Wahrheit und Erinnerung, von dem an was wir uns erinnern wollen und was wir gern vergessen, spricht.Damit skizziert wird Beirut, das nach dem Krieg gelernt hat, von vorne zu beginnen, um sich aus den Ruinen neu zu aufzustellen, aber es ist auch ein Ort der langen Erinnerungen und wo Mythen beständig sind. Was auch ich erst hinterher wusste, das der Autor schon mehrere Bücher über den Krieg geschrieben hat, `Yalo `spiegelt seine Entwicklung wieder. In einigen englischen Buchbesprechungen wurde von einem Einfluss westlicher Autoren gesprochen, wie Kafka, Beckett und Nabokov. Da ist mir ein weiterer Erzählfaden aufgefallen, der philosophische. Denn was ist Krieg? Ist es die Unmenschlichkeit des Staates?

Das zeigt, das es nicht nur ein Buch der Gewalt ist, nein es ist mehr. Um den Überblick zu behalten, habe ich mit einem Bleistift die Themen daneben geschrieben, für jedes neue Kapitel eine Überschrift. Im gesamten stachen folgende Themen heraus: die Religion, der Krieg und die Folter, die Sprache, die Geschichte, Gewalt in den verschiedensten Formen.

Prägend ist sicher der Großvater, der eine der wichtigen Figuren in der Geschichte. Mit ihm verbinden sich viele religiöse Themen, wie das Blut. Das fand ich gelungen, eine andere Kultur, die für uns fremd ist, so nahezubringen.

Ein weiterer Punkt war das Wort, das Blatt und die Tinte.

„…geriet mit den Worten ins wanken, stolperte über seine Zunge und stürzte am Ende ins Nichts.“

Das der Roman so lebendig wirkt, liegt an den Schreiberfahrungen Elias Khoury und seinen Lebenserfahrungen. Nehmen wir Yalo, der den libanesischen Dialekt spricht, auch andere Figuren, haben ihre eigene Sprache, sie singen Lieder im Dialekt, französische und englische Wörter. Und der Großvater der mehrere Sprachen spricht, und als Priester das Suryoyo. Damit schafft der Autor eine Ebene im Roman die verschiedenen Gesellschaftsschichten skizziert.

Eine weitere Ebene, die mir beim Lesen und Markieren auffiel, waren die Frauen. Ich finde das für sie eine bestimmte Zeit und sexuelle Erfahrung stehen.

-Shirin, ängstlich, zwanghaft, für ihn seine große Liebe, das schreibt er über mehrere Seiten, nicht immer weiss der Leser ob dies der Wahrheit entspricht.

-Nina (Gabi), die sorgende Mutter wird verrückt

– Mary, die erste Schwärmerei bei Jugendlichen

– Elvira, die ersten Erfahrungen

– Madame Randa, die Reifere

Diese Vielschichtigkeit zeigt, das es sich lohnt, den Roman zu lesen. Ich könnte noch einige Themen aufgreifen, doch ich möchte alle die es noch nicht gelesen haben, das sie es zur Hand zur nehmen. Der Roman ist handwerklich ausgereift, zeigt mehrere Erzählebenen und verschiedene Themen.

Wer erstmal nur einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch möchte, empfehle ich folgenden Link, allerdings in englischer Sprache:

https://www.youtube.com/watch?v=WHE6RVuYlfU

Eine Autorin hat mich auch begeistert: Iman Mersal. Leider lässt sich kaum von ihr etwas finden. Obwohl ihre Gedichte viel aussagen:

http://www.poemhunter.com/poem/news-of-your-death/

Dann kam Lateinamerika. Jüdische Autoren und Autorinnnen aus Argentinien. Uff, von dem Buch war ich geplättet. Erstmal ein kompletter Abriss der Geschichte Argentiniens, das konnte ich bei den Autoren nicht mehr unterbringen. Und dann jüdische Kultur und Religion. Das hat mich umgehauen, ein kompaktes wissenschaftliches Buch, das mich nicht begeistert hat. Auch die Lektürehefte brachten mich nicht weiter. Viele zu viele Aufzählungen, die Bücher der Autoren gab es hier nicht. Jedes Lektüreheft hatte eine Hausaufgabe, nur wie sollte ich die beantworten. Kurz wurde im Heft Ana Maria Shua angesprochen. Wie sich herausstellte gab es in Argentinien eine lange Tradition der Kürzestgeschichten (Mikrofictions) . Schade dass dies nicht weiter ausgearbeitet wurde, denn die Webseiten sind in Spanisch. Nur Ana Mariá Shua schreibt auch in Englisch.

http://www.argentinaindependent.com/the-arts/literature-culture/author-spotlight-ana-maria-shua/

Damit ging eine einjährige Reise zu Ende, die meinen Lesehorizont erweitert hat, dich mich angeregt hat, auch mal neben den Buchlisten zu schauen, welcher Autor was schreibt. Auch schwierige Bücher lege ich nicht mehr direkt weg, sondern versuche mindestens bis zur Mitte zu kommen. Ich würde gerne nochmal auf die Reise gehen, mit den gleichen Ländern um es zu vertiefen.

Und wenn Euch jetzt der Kopf schwirrt, dann etwas Musikalisches:

https://vimeo.com/180548609

 

Und hier könnt ihr euch ebenfalls demnächst Lesestoff besorgen:

https://www.boersenblatt.net/artikel-aldi_life_ebooks_startet_am_20._oktober.1242254.html?nl=newsletter20161010&nla=artikel1242254&etcc_newsletter=1

 

Und mein Leseangebot bei Booklooker

Hassan Blasim „Der Verrückte vom Freiheitsplatz“

und andere Geschichten über den Irak

Wie erzählt man von einem Land, das sich seit 35 Jahren im Kriege befindet? Wie erzählt man von der Psyche des Krieges, von dem alltäglichen Horror, der immer mehr zur Flucht zwingt? Und wie erzählt man von denen die fliehen? So wie Hassan Blasim

 

 

 

 

 

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