Leere Garage

Zwei Jahre lebten wir in einer harmonischen Beziehung. Ich dachte wir wären verrückt aufeinander. Wir unternahmen viele Radtouren, gingen in die teuersten Restaurants und genossen das Leben. Benno behandelte mich wie seine Königin.

Bis der Tag mit den heimlichen Telefonaten anfing. Jedes Mal wenn ich den Raum betrat, senkte er seine Stimme oder ging hinaus. Manchmal verschwand er für Stunden. Dabei haben wir am Anfang unserer Beziehung geschworen keine Geheimnisse zu haben.

Kannte ich Benno wirklich? Waren die vergangenen Jahre nur eine Täuschung von ihm? Liebte er mich überhaupt? Pausenlos gingen mir Zweifel durch den Kopf.

Sein Verhalten veränderte sich von Tag zu Tag. Benno schien mir aus dem Weg zu gehen.Er wurde immer mürrischer, hielt mir Spießigkeit vor. Ich war verwirrt. War es meine Schuld dass er sich von mir entfernte?

Ich warf ihm eine andere Beziehung vor. Benno stritt alles ab.

„Du siehst Gespenster.“

„Du bist eifersüchtig.“

So ähnlich waren seine Antworten.

Doch meine Intuition sagte mir etwas anderes. Bennos Ausreden wurden täglich raffinierter. Ich glaubte ihm nicht mehr.

Nach drei Monaten fühlte ich mich nicht mehr in der Lage zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Ich entschied dass wir nicht mehr glücklich miteinander sein konnten.

Dann kam der Samstag, der mir die Augen öffnete.

„Ich bin shoppen.“

In meinem Inneren schrillten die Alarmglocken. Benno hasste shoppen.

Unauffällig folgte ich seinem Auto bis zum Stadtpark.

Was wollte er hier?

Freudestrahlend kam seine Exfreundin mit einem Picknickkorb auf ihn zu. Ich war sprachlos. Benno hatte beteuert sie würde nie wiederkehren, würde in der anderen Stadt ein neues Leben beginnen.

Warum war sie wieder da?

Hinter einem Busch beobachtete ich die beiden in ihrer Turtelei. Es war schmerzvoll für mich. Das schlimmste war, das Benno ihr einen Ring gab. Wie sehr hatte ich mir diesen Augenblick erhofft.

„Na, warte!“

Ich kochte innerlich. Zitternd fuhr ich nach Hause. Ich wollte noch heute eine Aussprache.

Das Haus indem wir wohnten hatte drei Garagen, zwischen zweien war eine Verbindungstür. Benno schloss die leere Garage immer ab, auch wenn ich mein Zeug hineinstellen wollte. Jedes Mal wollte er mir weißmachen die dritte Garage wäre leer.

Doch warum durfte ich sie nicht benutzen?

Den Schlüssel trug permanent Benno bei sich. Ich wartete den Moment ab, als er schlief, und formte den Schlüssel in Knetmasse.

Da die zwei noch beim Picknick waren nutzte ich die Gunst der Stunde, um nachzusehen was sich in der dritten Garage befand.

Die Garage war bis unters Dach mit ihren Kartons vollgepackt. Wann hatte Benno sie hergeschleppt? Wahrscheinlich während ich arbeitete.

Meine Wut stieg. Ich trug Karton für Karton weg-ins Waisenhaus, zu den Obdachlosen, in die Kleiderkammer. Vier Stunden kostete mich die Aktion und Benno konnte jederzeit wiederkommen.

Ich war erschöpft und ein Gefühl von Reue breitete sich in mir aus.

Nein, es war richtig so. Sie hatte es verdient, Benno war mein Freund.

Glücklicherweise schien Benno nichts zu bemerken. Das glaubte ich jedenfalls.

Ein paar Wochen später wollte er angeblich wieder shoppen gehen, kam jedoch zurück, weil er seine Bankkarte vergessen hätte. Doch ich wusste, dass er sie stets bei sich trug.

Er fragte mich ob ich in dritten Garage gewesen wäre. Mit starren Augen schaute er mich an, seine Lippen waren bleich. Sein Blick loderte wie Feuer.

„Warum sollte ich? Sie ist doch leer, oder?“

Sie war leer. Einige Wochen später zog ich aus.

 

(A.M.G Sept. 2016)

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Ein Gedanke zu “Schreibwerk

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