Krimis aus Japan? Die waren bisher für mich Neuland, und so führte mich

eine Buchbesprechung auf einem Blog zu:

 

„Verdächtige Geliebte“ von Keigo Higashino.

320 Seiten, gebunden, Klett Cotta, erschienen 2013.

 

www.amazon.de/Verd%C3%A4chtige-Geliebte-Roman-Keigo-Higashino/dp/3608939660

 

Ich möchte Euch neben der Buchvorstellung, auch ein wenig den Autor und seine Arbeiten vorstellen.

Wer den Krimi liest, erhält den Eindruck dass es eine banale Handlung ist, doch daraus entwickelt sich ein Katz-und Maus Spiel.

Ishigami verlässt wie jeden Tag um 7:35 sein Haus. In seinem Leben passiert nicht viel Aufregendes. Er arbeitet als Mathematiklehrer an einer Privaten Hochschule, besitzt eine gute Beobachtungsgabe und ist heimlich in seine Nachbarin Yasuko Hunoka verliebt ist. In dem Bentoshop, wo sie arbeitet, holt er sein tägliches Mittagessen.

Das Drama beginnt als plötzlich Yasuko gewalttätiger Ex-Ehemann auftaucht. Obwohl sie immer wieder mit ihrer Tochter umgezogen ist, hat er beide nun gefunden und steht vor dem Apartment. Yasuko ließ sich von ihm scheiden, weil er zu trinken anfing und ständig Geld verlangte. Deshalb ist er wieder aufgetaucht, und verspricht gleichzeitig es wäre das Letze Mal. Yasuko glaubt ihm nicht.

Die Situation eskaliert, Misato die im Nebenzimmer geblieben ist, greift ihn an als Togashi gehen will. Im darauffolgenden Kampf verteidigt Yasuko ihre Tochter, die von Togashi stranguliert wird. In ihrer Panik erdrosselt Yasuko ihn mit einem Kabel von hinten.

Was sollen sie nun mit der Leiche machen? Einfach verschwinden lassen?

Da klopft es heftig an der Türe, und ihr Nachbar Ishigami fragt ob alles in Ordnung ist. Ishigami bemerkt dass etwas nicht stimmt, und bietet eine Lösung an.

„Vertrauen Sie mir“, sagte er. „Mit logischem Denken werden wird das Problem lösen.“

Er beginnt beide anzuweisen, wie sie sich bei den polizeilichen Ermittlungen verhalten soll, um alles andere würde er sich kümmern.

Das Versprechen führt die Linie des Erzählens, auf den verbleibenden Seiten.

Die Ermittlungen werden von Inspector Kusanagi geführt, der mit Hilfe des brillanten Physiker Professor Yukawa, der Wahrheit auf die Spur kommt. Yukawa kennt Ishigama aus früheren Studientagen.

Detektiv Kusanagi spürt das etwas nicht stimmt, doch wie er soll es beweisen?

Auch wenn die Spannung so gut wie nicht vorhanden ist, machen gerade die Findigkeiten viel aus. Wie ein großes Puzzle fügt sich ein Stück in das Andere.

Higashino schreibt feinfühlig und der Plot, die Stöße die er setzt fallen schnell wieder ab.

Der besondere Clou ist das intellektuelle Wettstreiten zwischen Ishigami und Yakawa,die sich auch emotional verbunden fühlen. Vertrauen im Glauben und Täuschung, Liebe und Misstrauen, jeder Charakter kreist kunstvoll Drumherum.

Wie wird Ishigami reagieren als Yasuko alte Flamme auftaucht?

Der Konflikt wächst auf den letzten Seiten an, stellt alles Bisherige auf den Kopf.

Auch wenn alle Rätsel gelöst werden entfaltet sich zwischen Yukawa und Kusanagi ein Wettspiel um herauszufinden, was geschehen ist.

Der Leser erfährt nur Ausschnitte aus Ishigamis Plan, welcher am Anfang ganz simpel zu sein scheint. Wie ein mathematisches Problem, geht Ishigami die Lösung an. Schrittweise fügen sich die Fakten zusammen, die dem Leser am Ende offengelegt werden.

Viel mehr möchte ich von der Handlung nicht verraten. Die Sprache ist schlicht und schnörkellos. Das der Autor die klassische Schule absolviert, lässt sich an dem Handlungsfaden erkennen. Ishigami setzt das Rätsel, im Buch wird auch eine mathematische Formel angedeutet.

Das Buch lässt sich gut an einem Wochenende lesen. Die japanischen Namen sind vielleicht ungewohnt, aber mich haben sie nicht irritiert. Die Beschreibungen der Situationen helfen einem, die Zeitpunkte des Geschehens zuzuordnen.

Leseprobe:

„Ishigami schloss die Augen, wie es seine Gewohnheit war, wenn er vor besonders kniffligen mathematischen Herausforderungen stand. Er musste nur alle äußeren Einflüsse ausblenden und schon nahmen die Formeln Gestalt ab. Nur, das es diesmal keine Formeln waren, die sein Gehirn beschäftigten.“

Persönlich hat es mir gefallen, es erinnerte mich an Hiromi Kawami, die ebenfalls gesellschaftliche Aspekte in ihre Romane einbaut. Sie schreibt viel über den japanischen Alltag der Jahre nach dem Ende der sogenannten Bubble-Economy, die dem Land in den achtziger Jahren einen fast unverschämten Reichtum bescherte. Die Periode wird manchmal als „Lost Decade“ bezeichnet- eine Dekade, die inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte anhält. Ihre Themen sind die die allgemeine Unsicherheit und Perspektivlosigkeit, in denen Figuren aber gleichzeitig versuchen, an herkömmlichen Formen und Werten festzuhalten.

Das Keigo Higashino eine Art Detektivgeschichte schreibt, ist kein Zufall. Er stammt aus der klassischen Krimischule, war jedoch immer schwer einzuordnen.

Der japanische Kriminalroman ist noch junges Genre, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Meist bieten sie eine Mischung aus Abenteuer, Schauer und/ oder psychologischen Detektiv-oder Kriminalroman.

Als Begründer des modernen japanischen Kriminalromans gilt Edogawa Chirai Taró. Sein Name ist an die japanische Aussprache von Edgar Allan Poe angelehnt. Er gilt als Statussymbol des Krimis, und alljährlich wird der Edgar Allan Poe Preis vergeben.

Als Hörbuch:

Keigo Heigashino

www.youtube.com/watch?v=ivcaN_zSRPI

 

Der Autor:

Keigo Higashino wurde in Osako geboren. Nachdem Abschluss des Bachelor Maschinenbau in Elektrotechnik, begann er neben seinen Beruf Romane zu schreiben. Mit siebenundzwanzig Jahren gewann er den Edogawa Rampo Preis für den Roman „After School“. Er kündigte seinen Job, um ganz als Autor in Tokio zu leben und zu arbeiten. Keigo Higashino gewann zahlreiche Preise, u.a den Edgar Award 2012 für Verdächtige Geliebte.

Neben Mystery Romane schreibt er Essays und Kindergeschichten. Einige seine Romane sind verfilmt worden.

de.wikipedia.org/wiki/Keigo_Higashino

blogs.wsj.com/scene/2011/02/11/is-this-guy-the-next-steig-larsson/

In allem zeigt Keigo Higashino eine klare Linie, die mit Finessen verfeinert werden. Leider habe ich seine Serien nur in Japanisch gefunden. Aus der Serie Detektiv Galileio entstand „Verdächtige Geliebte“

www.youtube.com/watch?v=m01dOwm7D5Q&list=PL5C5X_0G5XgVDD3zErCDEU6W2bvSbxauI

Ich werde sicherlich noch einige Krimis lesen und vorstellen, es gibt noch viel zu entdecken.

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