Ich mag Kurzgeschichten, weil ich versuche eigene zu schreiben. Die folgende Erzählung hat mich tagelang beschäftigt, wie würde ich ein rotes Auto in eine Handlung einbauen. Würde das Auto mehr im Vordergrund stehen, oder hätte ich die junge Frau mehr einbezogen. Die Idee gefällt mir am besten. Ist die junge Frau obdachlos und das Auto ihr zu Hause, oder ist es ihr einziger Besitz, nachdem sie verlassen wurde?

Ihr seht, das beschäftigt mich. Sobald die beiden anderen Geschichten fertig sind, werde ich meinen Text formulieren.

 

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Abgestellt

 An diesem Morgen wachte ich früh auf. Ich ging hinunter um den Hund herauszulassen und setzte Teewasser auf. Was nicht einfach war mit einer verbundenen Hand. Eigentlich war alles schwierig. Mein Artur schlief noch. Er schläft in diesen Tagen viel. Im vergangenen Jahr verlor er seinen Arbeitsplatz. 32 Jahre lang war als er als Qualitätskontrolleur beschäftigt. Von heute auf morgen hatte er nichts mehr zu kontrollieren

Vor drei Monaten nahmen wir das Auto das erste Mal wahr: eine verbeulte rote Fließhecklimousine- die auf dem Grünstreifen stand. Leute parkten oft dort, so dauerte es eine Weile bis wir wahrnehmen, das das Auto stehengelassen wurde- Seine Karosserie war verbeult und rostend, seine Radkappe fehlten. Ich nahm auch noch etwas anderes wahr, die Fenster bildeten im Innern Kondenswasser. Aber ich sagte nichts zu meinem Mann.

„Es muss gestohlen sein“, sagte Arthur. „Ich rufe die Polizei an.“ Die Polizei war jedoch nicht interessiert. Ich versuchte meinen Mann abzulenken, indem ich vorschlug spazieren zu gehen und eine Liste erstellte, mit den Dingen die rund um das Haus zu erledigen waren. Aber das Auto wurde schnell zu seiner Obsession.

„Es ist noch da“, sagte er immer, wenn wir beim Abendbrot saßen.“ Wir müssen etwas unternehmen, die Stimmung in der Nachbarschaft kippte.

Die Nachbar vereinten sich mit Arthur, in Vorschlägen wem wohl das Auto gehörte, wer es dorthin gefahren hatte, und warum es stehengelassen wurde- Wenn man ihnen zuhörte, konnte man glauben, das Auto sein ein Raumschiff vom Mars.

Als ich unseren Hausärztin aufsuchte wegen Arthurs Antidepressiva, erzählte ich ihr vom Auto. „Besessenheit kann eine Folge der Depression sein“, sagte sie. „Was hat er sonst im Leben?“

Darauf wusste ich nichts zu sagen. Während Arthur E-Mails und Briefe an jeden schrieb, den er möglicherweise kannte- einschließlich Parlamentsabgeordnete und lokale Ratsmitglieder- rannte ich durch das Haus, putzte, ging einkaufen, kochte Essen, hielt den Garten sauber und ging mit dem Hund spazieren. Der Hund beschnüffelte das Auto interessiert. Ich versuchte hineinzuschauen, aber konnte nichts erkennen. Manchmal dachte ich einige Objekte zu identifizieren, wie Plastiktüten auf der Rückbank, aber ein anderes Mal schien dort nichts zu sein. Oder war etwa ein grauer Schlafsack auf dem Rücksitz?

„Du nimmst es nicht ernst“, rief Arthur eines Abends als ich anfing zu lachen, mit seiner Behauptung er würde das Auto anzünden, das ist die beste Lösung, um es zu entsorgen.

 „Das ist lächerlich“, antwortete ich. Aber ich war wirklich geschockt von diesem Vorschlag.

In dieser Nacht, schaute ich aus dem Küchenfenster als eine schemenhafte Figur sich leise heranschlich und das Auto öffnete. Das Auto glitzerte vor Frost. Ich zog meinen Mantel an, überquerte die Straße und klopfte an das Autofenster. Anfangs regte sich nichts. Ich klopfte erneut, daraufhin wurde das Fenster um ein paar Zentimeter heruntergekurbelt. Große Augen schauten mich an, sie gehörten einer jungen Frau, die vielleicht um die zwanzig war, und erschrocken war.

„Sie müssen hier draußen frieren“, sagte ich. „Kann ich Ihnen etwas Warmes zu Trinken anbieten? Eine Tasse Tee?“

Die junge Frau nickte. Zurück im Haus, füllte ich die Tee in eine Thermosflasche, ebenso füllte ich eine Wärmeflasche und steckte sie unter meinen Mantel.

Ich ging zum Schlafzimmer. Ich wollte sagen: Ich werfe nur schnell eine Geburtstagskarte ein, doch Arthur schlief fest. Das waren die Folgen der Antidepressiva nahm ich an.

Die junge Frau nahm dankbar die Wärmeflasche und den Tee an. Sie sprach sanft mit einem Akzent, den ich nicht kannte. In der nächsten Nacht, gab ich ihr etwas zu Essen. Und die folgenden drei Wochen wurden diese Belieferungen ein Teil meines Alltags. Wenn er etwas gemerkt hätte, dann hätte Arthur mich gefragt, warum ich nachts mit dem Hund spazieren gehe. Jedoch hörte er auf über das Auto zu reden.

Letzten Sonntag, wollte ich Arthur seinen Abendkakao ins Wohnzimmer bringen, doch er war nicht da. Ich konnte ihn nirgends finden. Plötzlich überkam mich ein ungutes Gefühl. Ich rannte hinaus und sah ein gelb oranges Leuchten das den Himmel vor unserem Haus ausfüllte.

„Nein“, schrie ich und rannte hinaus. Das Auto brannte lichterloh. Arthur stand an der Seite mit einem leeren Benzinkanister in der Hand. Ich versuchte die Autotüren zu erreichen, aber die Hitze war zu intensiv. Rauch füllte meine Lungen. Tränen rannen über meine Wangen. Artur riss mich zurück. „Genug!“, sagte er. Ein Stück von grünem Material flog vor meine Füße. Ich bückte mich um es zu packen, doch es verbrannte meine Hände. Nach einigen Minuten kamen die Polizei, Feuerwehr und eine Ambulanz. Eine junge Sanitäterin verband meine Hände.

Am nächsten Morgen wurde das Wrack abgeschleppt. Die Polizei verwarnte Arthur wegen Brandstiftung. Aber er schien sich verändert zu haben. Letzte Nacht schlug er vor, mich zu begleiten, wenn ich mit dem Hund gehe.

Ich dachte über die junge Frau nach. Ich kannte ihren Namen nicht. Ich fragte mich wo sie war, ob sie in Sicherheit war und ob sich dass Artur überzeugt hatte, das das Auto leer war, bevor es anzündete.

Von Julian Earwaker

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Ein Gedanke zu “Fundstück

  1. Oh weia. Da kribbelt mir die Haut auf der Unterseite…. Da ich Geschichten mit einem guten Ende – aber zumindest mit Gewissheiten am Ende gut finde, bin ich jetzt betrübt. Puh. Aber spannend ist die die Geschichte doch…. 😉

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