Vor einem Jahr

Vor einem Jahr

Vor einem Jahr, las ich einen Artikel über ein neueröffnetes Schreibatelier.

Das kam mir gerade gelegen, denn ich wollte wieder mit dem Schreiben beginnen, und gemeinsam schreiben motiviert einfach mehr.

Seit dem ist ein Jahr vergangen. Habe ich es bereut?

Nein, das Schreiben ist intensiver geworden, neben meinen eigenen Projekten, schaue ich nach weiteren Möglichkeiten um Texte zu veröffentlichen. Was mir allerdings in der Truppe fehlt, ist der Mut im Internet aktiv zu sein. Da haben einige Bedenken, weil sie ihr Urheberrecht behalten wollen. Auch möchten sie ihre Texte für ein eigenes Buch aufbewahren.

Gut, ein eigenes Buch von mir ist in ferner Zeit nicht geplant. Ich möchte mich eher auf Kurzgeschichten und Buchbesprechungen konzentrieren. Das ist das was ich so neben Job und Haushalt schaffen kann. Ein ganzes Buch wäre mir zu zeitaufwändig, da sehe ich noch keinen Schritt hin.

 

Die folgende Geschichte „Mahlzeit mit lauten Knall“ entstand in der Anfangsphase und wurde zum Einjährigen überarbeitet.

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Mahlzeit mit Wirkung

Warum hatte sie ihn verlassen? Warum war sie überhaupt gegangen? War wieder irgendetwas geschehen, an das er sich nicht erinnerte?

Fragen über Fragen die ihm seine Rosi nicht wiederbrachte. Ewald fühlte sich einsam ohne sie. Sechzig Jahre gingen sie gemeinsam durch das Leben, teilten Freude und Leid, und plötzlich war sie nicht mehr da.

Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens geschahen sonderbare Ereignisse. An einem sommerlichen Frühlingsmorgen, wo die Kirschbäume blühten, schleppten ihn seine Kinder allen Ernstes auf einen Friedhof. Wer war diese Frau im Sarg? Nach der Beerdigung wurde es noch kurioser. Freunde und Bekannte bekundeten ihr Beileid. Sein Sohn und seine Tochter waren untröstlich.

Wie die Beileidskarten, die ständig hier eintrudelten, oder die eigenartigen Anrufe, allmählich glaubte Ewald seine treue Seele wäre verstorben. Nein, er war nicht tattrig. Ewald wusste ganz genau wo seine Sachen hingehörten, bis auf die Hausschuhe, die im Gefrierfach lagen. Kann wohl jedem passieren. Wenn Rosi hier wäre, dann würde sie den Haushalt in Schwung bringen. Merkwürdig das sie seit Wochen abwesend war. Ob das mit dem Friedhof zusammenhing?

Ebenso befremdlich war, dass sein Sohn wenige Tage später ein gewaltiges Monstrum anschleppte.

„Was soll ich damit?“

„Aber Vater wer soll ständig für dich kochen. Wir haben uns überlegt, dass meine Frau das Essen vorkocht für die ganze Woche. Du wärmst es dann hiermit auf. Komme ich erkläre es dir.“

Wieso kochte Rosi nicht mehr?

Traurig schüttelte sein Sohn den Kopf, mit seinem Vater ging es bergab, das spürte er. Immer wieder verlegte er Dinge, oder vergaß sie, sogar das mit seiner Frau. Brummelnd hörte Ewald zu. Was für ein scheußliches braunes Ungetüm, pure Energieverschwendung. Morgen wird Rosi wieder Dasein, sie ist bestimmt nur in Urlaub.

„Hier kannst du die Mikrowelle öffnen.“ Sein Sohn drückte auf den unteren Knopf, mit dem die Tür aufging.“ Dann schiebst du den Teller hinein, und drückst die Türe wieder zu.“

„Siehst du. Jetzt stellst du die Minuten ein für die Aufwärmzeit. Wenn das Essen fertig ist, macht es Pling, und du kannst es herausnehmen. Aber Vorsicht, es ist noch heiß. Verstanden?“

„Ja, sicher. Ich bin doch nicht blöd.“ Ewald fühlte sich wie ein kleines Kind vorgeführt, er der jahrelang Mathelehrer gewesen war, wird doch noch so ein Gerät bedienen können.

„Das meint auch keiner. Du musst zugegeben, das in letzter Zeit konfuse Sachen geschehen.“ Ewald blickte ihn entrüstet an. Unablässig prasselten die Vorwürfe auf ihn herab wie wenn er der Schuldige wäre.

„Schon gut. Ich muss wieder los. Rufe mich an, wenn du Schwierigkeiten hast.“

„Ja, ja, bis bald.“ Ewald wurde langsam mürrisch. Wenn doch bald seine Rosi wiederkommen würde, dann wäre das Leben so wie er es geliebt hatte.

Am darauffolgenden Tag verspürte Ewald ein Knurren im Magen, und fand einen Möhreneintopf im Kühlschrank. Daneben ein kleines grünes Glas, das wie Worcester Sauce aussah. Oder war es etwas anderes? Egal.

Ewald schüttete den Inhalt über den Möhreneintopf. Warum kochte Rosi nicht mehr frisch, schmeckte ihm viel besser, besonders ihre Linsensuppe. Er schüttelte seinen Kopf. Manche Vorgänge passten mehr oder weniger nicht zusammen.

Jetzt musste er erst einmal herausfinden, wie dieses Gerät funktionierte. „Was hatte sein Sohn gesagt? Zum Öffnen auf den unteren Knopf drücken.“ Ein Pling, die Türe sprang auf. Praktisch, also rein mit dem Ganzen. Ewald kratzte sich an der Glatze. Allmählich wurde er zornig, in seinem Gesicht bildeten sich rote Flecken.

„Ach, verdammt. Geh an, ich weiß doch wie es geht.“

Mit der flachen Hand schlug er auf die Mikrowelle ein

Grummelnd schlurfte Ewald zurück zum Sessel, damit ihm wieder einfiel, wo der Knopf zum Erwärmen war. Seinen Sohn wollte Ewald nicht anrufen, dann würde es wieder einen Rüffel geben. Nein, ihn durchfuhr ein Blitzgedanke. Das war es. Wozu war Ewald in seiner Jugend Pfadfinder gewesen.

Gesagt, getan. Mit einer Handvoll Zeitungspapier latschte er in die Küche und öffnete erneut die Mikrowelle. Ewald nahm den Teller heraus und stopfte das Zeitungspapier in die Ecke. Damit es gut zündelte, hatte Ewald im Küchenschrank Spiritus gefunden und alles durchtränkt. Vorsichtig zündete er das Knäuel an. Dann stellte Ewald das Essen wieder hinein.

Na, also, da sage eine er wäre nicht auf Zack.

Mit triumphierender Miene kehrte Ewald wieder zurück zum Wohnzimmer um ein kleines Nickerchen zu halten.

„Wird nicht schaden. Dauert wohl eine Weile.“ Wenige Minuten vergingen als ihn ein lauter Knall erschreckt hochfahren lässt.

Was war das? Wollte Rosi die Wohnung in die Luft sprengen?

Hustend suchte er die Quelle für die Ursache, das durch ein Hämmern an der Türe unterbrochen wurde.

„Herr Meier, Herr Meier. Was ist passiert? Machen Sie die Türe auf.“

Oh, Gott, die hysterische Ziege von nebenan womit hatte er das verdient.

„Rosi, Rosi.“

Keine Antwort.

Der Qualm wurde dichter. Hatte er sich geirrt, und die Worcester Sauce war keine gewesen? Etwas bitter hatte sie gerochen, war es die falsche Flasche? In der Küche sah Ewald kaum die Hand vor Augen, nochmal rief der den Namen seiner Frau, bevor ihm schwarz vor den Augen wurde.

Kirschendorf

Kirschendorf

Was gibt es Neues? Nun, heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, das ich gewonnen habe. Vorab kann ich euch sagen, dass Ihr Euch Zeit und Ruhe nehmen solltet, um die bildhafte Sprache aufnehmen zu können. Auch die vielen Handlungsstränge erfordern Geduld.

Ein kurzer Auszug, aus dem Rückenumschlag, damit Ihr in die Geschichte einsteigen könnt:

Die berührende Lebensgeschichte zweier Menschen, die nicht aufhören zu träumen und damit Berge versetzten. Als Pflegekind im Dorf der Kirschen aufgewachsen, versucht Annemie trotz mehrerer Schicksalsschläge ihre Existenz zu sichern. Als sie Jonathan, ihrem verloren geglaubten Freund, wiederbegegnet, scheint das private Glück zum Greifen nahe. Die beiden errichten ein Glashaus, um die Sehnsüchte nach reifen Kirschen im März zu stillen. Für jede einzelne bietet ein Fabrikant zwei Goldmünzen. Jonathan und Annemie machen das Unmögliche möglich. Als jedoch ein großer Krieg ausbricht, scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Eine Geschichte wie eine Metapher für den unerschütterlichen Glauben an das Gute

Das hört sich vielleicht schwerfällig an, aber es ist eine Erzählung, die viel vom Leben der beiden offenbart. In der Beschreibung des Buches wird erwähnt, dass es eine Art Märchen sein soll.

Nun, ja, das würde ich nicht so sehr unterstreichen. Die Sprache ja, die Handlungen der Figuren, sind eher realistisch, und jede von ihnen ist ein starker Charakter.

Wir werden so ungefähr hundert Jahre zurückversetzt. Annemie, die zentrale Hauptfigur, wird als uneheliche Tochter einer jungen Frau geboren, die in einer Textilfabrik arbeitet.

Annemie, die bei Zieheltern aufwächst, ist während der ganzen Erzählung, eine Frau, die alle Schwierigkeiten und Hindernisse übersteht.

Daran merkt der Leser, dass der Roman auf historischen Fakten beruht, z.B. der Erste Weltkrieg. In diesem Abschnitt ist die Hauptfigur Jonathan, und hier finde ich kaum etwas Märchenhaftes. Was mir einfiel war, das Jonathan einem Prinz gleicht, der als Held das Herz Königin erobern möchte.

Kitschig, so eine Lovestory. Wer das erwartet, wird enttäuscht sein. Es geschehen viele Dinge und Lebenssituationen die zum Leben dazu gehören.

Der Erzählfluss ist eher ruhig gehalten, wenige Spannungsmomente sind vorhanden, bis auf die Szene wo Annemie besondere Fähigkeiten nach gesagt werden, das Sie über weite Entfernungen wahrnimmt, wenn ein Baby auf die Welt kommt. Auch das sie das erste Gewächshaus in dieser bergigen Landschaft baut. Trotz Rückschläge glaubt sie fest daran.

Ja, und dieses Dorf, das irgendwo in Österreich liegt, und Kirschendorf genannt wird. Mehr erfährt der Leser nicht, nur ein wenig vom Leben diese Bewohner. Diese Abgeschiedenheit hat auch einen praktischen Nutzen. Hier wachsen viele Ziehkinder auf, die keiner mehr haben will, Kinder die Vergessen werden.

Und das alles verpackt in dieser bildhaften Sprache:

(Zitat: Dann fächelte nur noch ein warmer Wind an den Blättern der Nussbäume und versetzte die Kronen in ein leises Rascheln, während die Frau eine Begründung suchte, die Sofie nicht sofort zu Tränen zwang und neugierige Blicke unter die Bäume lockte…)

Hätte ich es zwischendurch gekürzt? Ja, doch manchmal wurde es mir zu viel und irgendwie hatte ich das Gefühl die Handlung ginge nicht voran. Trotz allem würde ich es Euch empfehlen, wenn ihr einen Roman lesen möchte, der ein wenig Zeit in Anspruch annimmt.

Es ist kein Strandbuch, oder für zwischendurch, dafür verleiht der Roman einen gewissen Zauber.

Der Autor:

Jürgen Thomas Ernst wurde 1966 in Vorarlberg geboren. Für seine Theaterstücke erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien. 2010 erschien mit Anima sein erster historischer Roman, der 2012 mit dem Sir-Walter-Scott-Preis ausgezeichnet wurde. Auch dieser Roman wurde mehrfach prämiert.

http://www.juergen-thomas-ernst.at/

https://www.youtube.com/watch?v=ByiQ48bwU4c

 

 

Fakten zum Buch:

Jürgen-Thomas Ernst

Vor hundert Jahren und einem Sommer

Braumüller Verlag, gebunden 473 Seiten;

ISBN 978-3-99200-139-2

Mutterdank

Liebe Wünsche an alle Mütter.

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Glückliche Stunden sind es ,

dich zu befragen,

dich in meinem Herzen zu bewahren,

gemeinsame Wege mit dir zu gehen.

Glückliche Stunden sind es,

dich als mein Glück zu benennen,

vom ersten Schrei

bis hin zu den Sekunden, die uns trennen werden,

doch irgendwo, werden wir uns wieder fühlen,

werden uns befragen, beraten,

werden lachen und wieder weinen.

Glückliche Stunden sind es immer,

die wir hier und jetzt, in diesem Leben teilen,

in unserer Gemeinsamkeit

und in dieser Besonderheit ….einer großen Liebe.

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